21.11.2016

SPI - Medienmitteilung vom 14 . November 2016


Mitglied der SBK Mitglied der SBK | 18.05.2015

Bischof Markus Büchel zum Tod von Hisham Maizar


Medienstelle | 13.03.2015



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Foto: Andreas Schwendener/Kirchenbote Kanton St. Gallen

Mitglied der SBK Mitglied der SBK | 18.05.2015

„Wir sind dankbar für sein Beispiel“

Bischof Markus Büchel zum Tod von Hisham Maizar

Dr. med. Hisham Maizar, für die Kirchen ein verlässlicher Partner im interreligiösen Dialog, ist am 14. Mai verstorben. Bischof Markus Büchel, Bischof von St. Gallen und Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, würdigt ihn als Freund, herzlichen Menschen und Brückenbauer im interreligiösen Dialog, der schmerzlich fehlen wird.

Nach den Attentaten vom 11. September 2001 warnte der damalige St. Galler Bischof Ivo Fürer vor Pauschalurteilen und rief zur Achtung des Islam auf. So lernten sich Hisham Maizar und Ivo Fürer kennen und schätzen. Bis dahin gab es in St. Gallen auf muslimischer Seite keinen Ansprechpartner für einen koordinierten Dialog. Maizar wirkte darauf hin, dass die bisher lose organisierten islamischen Vereine sich im Dachverband islamischer Gemeinden Ostschweiz (Digo) zusammenschlossen. Sein Wirkungskreis vergrösserte sich zusehends, bis zuletzt war er im Kanton in gutem Kontakt mit den Kirchen und an vielen Anlässen, auch in grossen Festgottesdiensten, ganz selbstverständlich präsent. Auf schweizerischer Ebene war er Präsident der Föderation der islamischen Dachorganisationen (Fids) und Vorsitzender des Schweizerischen Rates der Religionen (SCR).

Hisham Maizar war der erste, der den islamischen Gemeinden ein persönliches, aber auch ein politisches Gesicht gegeben hat. Er wurde geschätzt als ehrlicher, offener Gesprächspartner. Seine Glaubwürdigkeit drückte sich aus in seinem eindrücklichen Engagement in der Gesellschaft und der Art, seine Religion zu leben. Stets hatte er den Dialog und die Verständigung der Menschen gesucht und gefördert, der Austausch mit anderen Religionsgemeinschaften war ihm ein grosses Anliegen. Geprägt hat ihn auch seine Biografie: ursprünglich aus Palästina stammend war der Vater von 3 Kindern lange Jahre mit einer Katholikin aus Österreich verheiratet und seit 1982 Schweizer Bürger. Als Arzt im Thurgau hat er vielen Menschen nicht nur fachlich, sondern auch durch sein freundliches Wesen sehr geholfen.

In Zeiten der zunehmenden Angst vor dem Islam (wobei die Angst eigentlich dem Islamismus gilt) in weiten Teilen der Gesellschaft, war er über viele Jahre für die Kirchen und Religionsgemeinschaften wie für die Politik ein unentbehrlicher Gesprächspartner und Vermittler. Hisham Maizar positionierte sich stets klar gegen jede Form von Gewalt und gegen radikale Tendenzen von Gruppen in der Schweiz und im Ausland.

Hisham Maizar wird uns als vertraute Ansprechperson im interreligiösen Dialog fehlen. Sein Vermächtnis ist uns Verpflichtung: den interreligiösen Dialog weiterzuführen.

St. Gallen, 18. Mai 2015

Markus Büchel, Bischof von St. Gallen
Präsident der Schweizer Bischofskonferenz