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Mitglied der SBK Mitglied der SBK | Mediencommuniqué | 04.03.2011

Botschaft der Schweizer Bischofskonferenz zum Tag der Kranken

Botschaft der SBK zum Tag der Kranken in der Schweiz am 6. März 2011

Liebe Kranke, liebe Familien,
liebe Mitglieder des Pflegepersonals

Eine lange Schweizer Tradition stellt jedes Jahr am ersten Sonntag im März die Kranken in den Mittelpunkt besonderer Aufmerksamkeit. Unabhängig von Konfession und Religion ist dieses Datum verbindlich für alle.

Im Evangelium dieses Sonntags sagt Jesus: „Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den Willen meines Vaters im Himmel erfüllt.“ Aber wie kann man den Willen des Vaters ergründen, wenn man mit einer Krankheit konfrontiert ist?

Die Haltung der Gläubigen gegenüber den Kranken wird im Evangelium verkündet. Am jüngsten Tag wird Jesus sagen: „Ich war krank und ihr habt mich besucht“ oder im Gegenteil „Ich war krank und ihr seid nicht zu mir gekommen.“ Wir werden also nach diesem Aspekt beurteilt, denn Jesus hat sich mit dem Kranken identifiziert, so wie er es mit dem armen Hungrigen oder Durstigen, dem Gefangenen oder Fremden getan hat.

Die physische, psychische und geistliche Gesundheit

In der Heiligen Schrift ist oft die Rede von den Kranken, speziell im Neuen Testament, wo Jesus auf sie zugeht und einige von ihnen heilt. Aber die physische Heilung ist fast immer verbunden mit einer inneren Heilung durch einen Akt des Glaubens, durch die Vergebung der Sünden. Die Gesundheit ist nicht allein körperlich, sondern sie ist auch psychisch und geistlich.

Der Mensch ist nämlich ein Körper, ein Herz und ein Geist und dieses ganze Dasein bedarf der Gesundheit. Wir sprechen leicht von psychosomatischer Erkrankung, wenn das psychologische Leiden und die Schmerzen des Herzens sich auf die Gesundheit des Körpers auswirken. Daher achten wir heute mehr und mehr darauf, nicht nur einen Teil des Körpers, sondern auch die emotionalen Seiten der Person zu behandeln. Wir entdecken zudem mehr und mehr die Notwendigkeit, eine Spiritualität zu leben, um in dem, wie wir leben, einen Sinn zu finden.

Selbst wenn das Pflegepersonal oft mit der Arbeit überlastet ist, hat die Gelegenheit zu einem Gespräch mit dem Patienten oft den gleichen Stellenwert wie die vorgesehene Medikation. Gerade in diesem Bereich sind ergänzende Aspekte zu finden. In den Betreuungsstätten, wo sich die Seelsorge hat einzubringen vermögen, können jene Personen, die für Krankenbesuche ausgebildet sind, allein schon durch ihre aufmerksame Anwesenheit die Herzen entlasten.

Das innere Leben und die geistliche Gesundheit

Die Krankheit ist oft der Weg einer Entdeckung, wenn nicht sogar einer Wiederentdeckung der geistlichen Gesundheit. Jede Krankheit hat ihre Eigenheit, sei sie physisch oder psychisch. Dies gilt auch für die geistliche Gesundheit. Die Rolle der Spiritualität besteht darin, das innerlich aufzuhellen, was sich in unserem Dasein ereignet.

In seinem Krankenbett betrachtet der Patient sein Leben anders als im aktiven Leben. Er ist oft aufgefordert, über den eigentlichen Sinn seines Lebens nachzudenken. Vielleicht hatte er bislang noch nicht oft daran gedacht, solange er die physische Gesundheit hatte, solange er arbeiten, kommen und gehen konnte. Aber sobald die Krankheit da ist, ist er seinen eigenen Gedanken ausgeliefert. So begegnet man manchmal echter spiritueller Verzweiflung wie auch Perlen der Spiritualität. Infolgedessen kann der innere Weg des Kranken zum Gebet führen, um in seinem Herzen Jesus, dem Herrn, zu begegnen, der wartend in der Tiefe des Herzens da ist. So kann durch vertrauensvolles Näherkommen Schritt für Schritt ein innerer Dialog zustande kommen. Jesus nimmt unsere Leiden auf sich, wie es der Apostel Petrus mit Hinweis auf den Propheten Jesaja ausdrückt. Im Nachsinnen über das Leiden und sogar über den Tod Christi begegnen wir ihm persönlich und wir können erkennen, dass Jesus nicht gekommen ist, um das Leiden zu beseitigen, sondern um es mit seiner Gegenwart zu erfüllen.

Der heilige Bernhard drückte es im Mittelalter so aus: „Gott kann nicht leiden, aber er kann Anteil nehmen.“ Das kann somit die Gebetspraxis sein, die Wege in das Herz des Patienten ebnet. Er entdeckt, mit wem er über seine Probleme reden kann, und durch die Heilige Schrift wird das Gebet eine tröstende Begegnung. Der Weg kann sich zudem in den Gesprächen mit den Besuchern oder mit dem Pflegepersonal öffnen. Nicht zu vergessen ist die Rolle der Familie oder auch der Mitarbeiter in der Seelsorge. Gemäss der Entwicklung der Person sowie ihrer gelebten Spiritualität kann sich eine gewisse Ausgeglichenheit einstellen. Dann werden wir diese Worte Jesu anders hören: „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.“ Für einige ist dies die Entdeckung der Sakramente der Beichte, die befreit, der Eucharistie, die nährt, und der Krankensalbung, die stärkt.

In einer inneren Offenheit, selbst wenn man weiss, dass die Krankheit zum Tod führen kann, ist es das spirituelle Leben, das zu der uns verheissenen Ewigkeit hinführt.

Das Zeichen des Kreuzes

Aus dem Kreuz, das ein Werkzeug des Leidens und des Todes war, hat Jesus ein Werkzeug des Heiles gemacht. So kann der Kranke durch seine Krankheit geheilt werden, die in diesem Sinne heilsbringend wird. Wir können sagen, dass das Kreuz wie ein Plus-Zeichen in unserem Leben ist. Die Krankheit, das Leiden, welches es auch sei, ist wie ein Minus-Zeichen. Der Kranke muss oft das Bett hüten und flach liegen. Vielleicht ist auch seine Stimmung flach und platt. Um ein Minus-Zeichen in ein Plus-Zeichen umzuwandeln, genügt es, einen senkrechten Strich hinzuzufügen. Dieser stellt die Dimension der Spiritualität dar, welche das ins Positive umkehrt, was an sich negativ ist.

Im Gegensatz zu dem, was man oft meint, bringt das Leiden die Menschen eher Gott näher, als dass es sie von ihm entfernt. Wenn alles gut geht, riskiert man leichter, die vertikale Dimension des gesamten Lebens wieder zu vergessen. Oftmals sind es gerade die Kranken, die dies den Gesunden, die sie besuchen, beibringen können.

Abschluss

Liebe Kranke, liebe Familien, liebe Mitarbeiter des Pflegepersonals und der Seelsorge, mit Hilfe dieses Briefes möchte ich im Namen der Schweizer Bischöfe allen Kranken Worte der Ermutigung übermitteln, damit Sie mit der grösstmöglichen Ausgeglichenheit Ihr Leben mit der Krankheit leben, gestärkt durch den Glauben und die Hoffnung. Ich richte auch Worte der Dankbarkeit an all jene, die die Patienten begleiten. Dass der Herr selbst in Ihren Herzen wohne und Ihnen die passenden Gesten und Worte eingebe, wenn unsere Brüder und Schwestern hilflos sind. Mit Ihnen bete ich den Psalmvers „Der Herr ist meine Stärke und mein Lied, er wurde mir zum Heil“.

+ Joseph Roduit

Abt von St-Maurice
Verantwortlicher des Ressorts "Gesundheitswesen" in der SBK