SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 08.09.2017

Message de la Conférence des évêques suisses à l’adresse des agents pastoraux, prêtres, diacres et laïcs


SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 31.07.2017

Niklaus von Flüe 2017



SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 21.05.2017

Vernissage des Schweizer Pavillons an der Reformations-Weltausstellung in Wittenberg


Mitglied der SBK Mitglied der SBK | 30.01.2017

Wort der Bischöfe zum Krankensonntag 2017 (5. März 2017)


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Mitglied der SBK Mitglied der SBK | 23.02.2009

Botschaft des Bischofs von Sitten zum Krankentag, 1. März 2009 (Zur Lektüre: Markus 1,12-15)

„Mein Kind, ich bin da!“

Dieses Jahr fällt der Krankentag zusammen mit dem ersten Fastensonntag. Trotzdem denken wir wieder in besonderer Weise an Sie, die alten, kranken, behinderten oder einsamen Schwestern und Brüder. Wir sind nicht nur in Gedanken an Ihrem Krankenbett, in Ihrer einsamen Wohnung, im Heim, das Sie nicht mehr verlassen können, sondern wir begleiten Sie vor allem mit unserem Gebet.

Der Evangelist Markus berichtet uns, wie Jesus nach seiner Taufe am Jordan vom Heiligen Geist in die Wüste geführt wird, dass er dort vom „Satan verführt“ wird, und dass die „Engel“ ihm dienen. Woran denken wir beim Wort „Wüste“? Zuerst an eine gewisse Unsicherheit und Angst vor dem, was uns in der Wüste erwartet. Dann an die Hitze am Tag und an die Kälte in der Nacht, an Sandstürme, an Wassermangel, an Oasen? Ganz sicher denken wir an ein hartes Leben in einer kargen und unwirtlichen Gegend, in der es nur wenig Leben und fast keine Vegetation gibt. Wir denken aber auch an andere Menschen, welche die Wüste - wie wir - sobald als möglich wieder verlassen wollen.

Woran denken Sie als kranker, einsamer, alter oder behinderter Mensch beim Wort „Wüste“? Denken Sie an die Angst, welche Sie bei der Ankündigung einer schweren Krankheit empfanden? An die Unsicherheit über deren Heilungschancen und deren Ausgang? Oder spüren Sie die Kälte der Einsamkeit? Die Hitze der Enttäuschung? Das harte Leben einer Behinderung? Kam oder kommt Ihnen der Weggang von Ihrem geliebten Heim in ein Altersheim gar als „Gang in die Wüste“ vor? Haben Sie vielleicht sogar Versuchungen der Mutlosigkeit, der Hoffnungslosigkeit, der Resignation oder der Verzweiflung erleiden müssen?

Ich kann mir vorstellen, dass Sie in den Momenten des Leides, der Angst und der Schmerzen nicht daran denken können, dass Ihre Krankheit, Ihre Einsamkeit, Ihre Behinderung oder Ihr Alter neue Impulse fördern könnten. Wie es uns sicher auch schwer fällt zu glauben, dass „Engel Jesus in der Wüste dienten“, wie uns der heilige Markus berichtet. Nicht die Versuchungen waren für ihn Anlass zu neuem Leben im Geiste, sondern seine innerste Verbundenheit mit seinem himmlischen Vater.

So ist es sicher auch mit der Krankheit oder mit der Behinderung. Nicht diese Leiden an sich, sondern unsere Haltung dazu und die Begegnung mit den Menschen, die uns begleiten, können neue Impulse, neue Hoffnungen und neue Zuversicht geben. Warum also sollten wir nicht auch in der Krankheit, in der Einsamkeit oder in der Behinderung und im Alter „Engel“ zur Seite haben, die uns dienen? Ich denke an die Arzte, Krankenschwestern in Mitarbeiterinnen in den Spitälern und in den Arztpraxen unserer Dörfer und Städte. Ich denke an die Leitungen und die Pflegenden in den Altersheimen. Ich denke an die Priester und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die Sie daheim, im Spital oder im Altersheim besuchen. Sind nicht auch sie alle diese Engel, „dienende Geister“, in denen Jesus Christus Ihnen und uns begegnen will?

Manchmal jedoch sind das Leiden so schwer, die Schmerzen so unerträglich, die Einsamkeit so grausam und die Behinderung so sinnlos, dass Sie keinen Ausweg sehen. Können Sie in diesen Momenten vielleicht auch hören, was Jesus wie in einer inneren Stimme zu jener Frau aus Frankreich, welche das Konzentrationslager überlebte, gesagt hatte: „Nein, Du bist nicht allein. Auch ich habe gelitten. Ich verstehe Dich. Ich leide mit Dir.“ Und die nach dieser Erfahrung sagen konnte: „Ohne Jesus hätte das alles keinen Sinn; mit Jesus erlöst es die ganze Welt. Darum habe ich für mich annehmen können, dass mein Platz an der Seite der Muttergottes unter dem Kreuz ist.“

Es ist ein wunderbares Zeugnis einer leidenden Frau, für die ihre Schmerzen wirklich zu neuen Impulsen, ja zu neuer Gnade wurden. Für sie war das sicher ein langer Weg des Zweifels und der Hoffnungslosigkeit, die sich schliesslich in neue Hoffnung gewandelt haben.

Liebe alte, kranke, einsame und behinderte Mitmenschen, wenn Sie auch auf diesem Wege sind oder wenn Sie das Ziel der Hoffnung und der Zuversicht bereits erreicht haben, dann werden Sie sicher Gott dafür danken. Wenn es Ihnen schwer fällt, einen solchen Weg zu gehen, lade ich Sie ein, sich auf einen solchen Weg zu begeben. Die Erfahrung eines französischen Priesters kann Sie begleiten, der die Nähe Christi in den Schwierigkeiten seines Lebens in ein Gebet gekleidet hat. Er hat die Stimme Jesu in seinem Innern in diese Worte gefasst:

„Mein Kind, ich bin da.
Du musst dich meinen Händern überantworten,
Du musst einsehen, dass du nicht gross genug bist,
dass du nicht stark genug bist,
Du musst dich führen lassen
Wie ein Kind, wie mein liebes, kleines Kind.
Komm, gib mir deine Hand und fürchte nichts.
Wenn es Schmutz gibt, werde ich dich auf meinen Armen tragen.
Aber du musst klein sein.
Denn der Vater im Himmel trägt nur die kleinen Kinder.“

Eine grosse Demut, aber auch eine unerschütterliche Zuversicht gehen von diesem Versprechen Jesus an uns Menschen aus. Ich wünsche zum diesjährigen Krankensonntag, dass wir miteinander, gesunde und kranke, einsame und gesellige, junge und alte, behinderte und kraftvolle Menschen, so demütig sein können, dass uns aus der Begegnung mit Christus neue Hoffnung und reiche Gnade wird.

Gott segne Sie!

Sitten, am 1. März 2009.

+ Norbert Brunner
Bischof von Sitten