Pfarrkirche in Marly FR (Foto: Bernard Bovigny)

SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 03.11.2015

Das Miteinander von Priestern, Diakonen und Laienseelsorgern/-innen in der Feier der Eucharistie

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst

Liebe Seelsorgerinnen und Seelsorger

Der rasante gesellschaftliche Wandel, den wir alle spüren, betrifft auch die Kirche. Die Katholikinnen und Katholiken praktizieren ihren Glauben heute anders als noch vor wenigen Jahrzehnten. Jüngere Priester sind selten geworden, die Zahl der Laientheologen/-innen geht zurück. Die traditionellen Seelsorgestrukturen entsprechen an vielen Orten nicht mehr den Anforderungen der Zeit. Die Bistümer stellen sich diesen Herausforderungen und passen ihre Seelsorgestrukturen an. Das löst bei manchen Gläubigen und Seelsorgenden Angst und Verunsicherung aus. Wir möchten Ihnen hier deshalb zu zwei Punkten, die für uns besonders wichtig und vordringlich sind, eine Orientierung und Hilfestellung geben: zur Feier der Eucharistie und zur Zusammenarbeit von Priestern, Diakonen und Laienseelsorgern/-innen.

Zur Eucharistie und ihrer Feier werden uns Bischöfen oft Fragen gestellt. Offenkundig spüren die Menschen, dass die Eucharistie grundlegend ist. Was nämlich in der Kirche zuerst zählt, ist die Gegenwart Jesu Christi. Ihm gehen wir entgegen, ihn verkündigen wir (und nicht uns selbst), denn er ist wahrhaft Gott, der Mensch wird. Und er bleibt unter seinen Freunden und Freundinnen besonders durch die Eucharistie gegenwärtig. Es ist entscheidend, dass wir uns dieses Geschenks immer wieder neu bewusst werden und aus ihm leben.

Die katholische Kirche glaubt, dass das, was in der Feier der Heiligen Messe Brot und Wein war, aufhört, Brot und Wein zu sein: Sie werden und bleiben Leib und Blut Christi. So nehmen wir die erstaunlichen Worte Christi wörtlich: „Dies ist mein Leib … Dies ist mein Blut.“ Wahrlich, das sind erstaunliche Worte, doch das Christentum interessierte uns nicht, wenn es nicht zum Staunen wäre. Diese Worte müssen vor allem auch uns Priester zum Staunen bringen: Wurden wir tatsächlich befähigt, selber Brot und Wein in Leib und Blut Christi zu wandeln? Nein, wir selbst sind nicht dazu fähig, und deshalb braucht es von Gott eine Gnadengabe: das Weihesakrament. Als Nachfolger der Apostel wird es durch die Bischöfe gespendet, die ihrerseits diese Gabe auch erhalten haben, um sie weiterzugeben. Wenn nun ein Mann dieses Sakrament erhält, also zum Priester geweiht wird, dann erhält er die Möglichkeit, etwas zu tun, was ihn vollkommen übersteigt: Er kann von nun an seinen Mund (und sein ganzes Leben) Christus leihen und in seinem Namen sagen: „Dies ist mein Leib“, oder: „Deine Sünden sind dir vergeben.“ Kein Priester erfüllt diesen Auftrag, weil er perfekt wäre. Zum einen wissen wir, dass wir es nicht sind, und zum anderen übersteigt uns das, was wir als Priester tun, unendlich! Auch wenn wir tausend Mal besser wären, bedürften wir darum immer noch der Weihe. Was wir geben, kommt nicht von uns, und es ist auch nicht unseretwegen, dass die Menschen in die Kirche kommen: Christus ist es, der sich uns in der Eucharistie schenkt!

Jesus ist in der Eucharistie anwesend und bleibt unter seinen Freundinnen und Freunden mit seinem auferstandenen Leib gegenwärtig, diskret, verborgen in den Gaben von Brot und Wein, damit wir aus ihm leben. Das ist das Herz des Lebens der Kirche, ihr wirklicher Schatz! Das ganze Leben der Kirche dreht sich um diese Perle, für die wir Priester unsere Stimme leihen und unser Leben geben.

Waren vor fünfzig Jahren in Seelsorge und Katechese fast ausschliesslich Priester und Ordensfrauen tätig, sind es heute vermehrt und überwiegend Diakone sowie Laienseelsorger/-innen. Das ist eine ermutigende Entwicklung, weil damit viele unterschiedliche und sich ergänzende Charismen Zeugnis des einen Leibes geben, der aus vielen Gliedern besteht (vgl. 1 Kor 12,1-11 und LG 7). Wir Bischöfe sind dafür dankbar und anerkennen die reichen Dienste, die in allen Bereichen des kirchlichen Lebens von Laien und insbesondere von Frauen geleistet werden.

Diese Entwicklung bringt freilich auch einige Schwierigkeiten mit sich. Sie treten in den verschiedenen Diözesen der Schweiz unterschiedlich zutage, weil die Traditionen und Mentalitäten, die Ausbildungsgänge und die finanziellen Ressourcen und damit die Einsatzmöglichkeiten in den Diözesen sehr verschieden sind. Das neue und ämtertheologisch gesunde Miteinander von Priestern und Laien will erlernt und erprobt sein. [1] Wir stehen in diesem Prozess mittendrin, in der Deutschschweiz in anderer Weise als in der Romandie oder im Tessin. Deutlich wird das vor allem dort, wo Laienseelsorger/-innen mit einer Anstellung in der Seelsorge tätig sind. Die Herausforderungen betreffen allerdings alle Seelsorgeberufe, auch die Diakone. Denn letztlich ist nach wie vor die Priesterrolle massgeblich für den Seelsorgeberuf. Das führt zu Schwierigkeiten der Abgrenzung und der eigenen Identität. Dies und der tiefgreifende Wandel in den Pfarreien, Seelsorgeeinheiten, Pastoralräumen und kategorialen Diensten schlägt sich in unterschiedlichen Initiativen, Forderungen, Anklagen und auch Veröffentlichungen nieder [2].

Eine Vermischung der Rollen des Priesters, der Diakone und der Laienseelsorger/-innen, wie sie da und dort festzustellen ist, ist weder biblisch noch sakramententheologisch zu begründen. In der Praxis führt sie nicht weiter, weil das ergänzende Miteinander verschiedener Seelsorgeberufe nicht zum Tragen kommt. Wo die spezifischen Eigenheiten der Berufungen und Berufsbilder verwässert und eingeebnet werden, verliert auch die Berufungspastoral ihren Boden. Eine Folge davon ist eine Verwirrung, die sich darin zeigt, dass manche Laientheologen faktisch „klerikalisiert“ und Priester „laikalisiert“ werden. Die „Klerikerkirche“, die das Zweite Vatikanische Konzil durch eine erneuerte Theologie des Apostolats der Laien überwinden wollte, lebt so unter umgekehrten Vorzeichen weiter.

Grundlegend für jedes Amt in der Kirche ist das neutestamentliche Prinzip des Dienstes. Jedes Amt ist Dienst. Gleichzeitig erinnern wir daran, dass sich die Ämter der Priester, der Diakone und der Laienseelsorger/-innen wesentlich voneinander unterscheiden, auch wenn sie alle in demselben Dienst des Aufbaus des Leibes Christi stehen [3]: Der Leib hat viele Glieder, aber nicht alle Glieder leisten denselben Dienst (vgl. Röm 12,4). Aufgrund der sakramentalen Struktur der Kirche haben alle Gläubigen gemeinsam durch das Sakrament der Taufe und Firmung Teilhabe am dreifachen Amt Christi (Priester, König, Prophet), Diakone und Priester weiheamtliche Teilhabe durch das Sakrament der Weihe. Besonders in der Feier der Eucharistie, der immer der Priester an der Stelle Christi, dem Haupt der Kirche, vorsteht, bezeugt dieser, dass der Kirche alles von Christus zukommt. [4] Diese Aufgabe und Rolle des Priesters ist auch unter den veränderten Bedingungen unserer Zeit unverzichtbar. Dazu gehört auch sein Auftrag, in der Heiligen Messe die Homilie zu halten, da während der Eucharistiefeier der Tisch des Wortes nicht vom Tisch des Brotes getrennt werden kann. [5]

Wir sind uns bewusst, dass Sie im pfarreilichen Alltag mit den Normen, die wir vorgeben, an Ihre Grenzen stossen, auch weil die Gläubigen oftmals Erwartungen haben, die wir nicht erfüllen können. Wir wissen auch, dass sowohl Priester als auch Laientheologen/-innen zeitlich manchmal sehr belastet sind. Deshalb möchten wir Sie ermutigen, Aufgaben, die nicht an das Weihesakrament oder die besondere bischöfliche Beauftragung (Missio canonica) gebunden sind, zu delegieren. Das braucht Vertrauen. Doch es fördert das Leben der Kirche als Volk Gottes, in dem alle Glieder ihre Charismen und Dienste im Rahmen der sakramentalen Struktur der Kirche und ihres Rechts eingeben dürfen und sollen.

Wir Bischöfe danken Ihnen für Ihren Dienst in unseren Diözesen und wünschen Ihnen den begleitenden Segen Gottes.

 

Freiburg i.Ü., 2. September 2015

 

Die Schweizer Bischöfe

 

 

[1]              Papst Franziskus schreibt in seiner den Schweizer Bischöfen am 1. Dezember 2014 überreichten Ansprache über die hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeit der Laien in der Kirche: „Die Sendung der Laien in der Kirche hat in der Tat einen bedeutenden Stellenwert, denn sie tragen zum Leben der Pfarreien und der kirchlichen Einrichtungen bei, sei es als hauptamtliche oder ehrenamtliche Mitarbeiter. Es ist gut, ihr Engagement zu würdigen und zu unterstützen, allerdings unter klarer Wahrung des Unterschieds zwischen dem gemeinsamen Priestertum der Gläubigen und dem Priestertum des Dienstes. In diesem Punkt ermutige ich Euch, die Bildung der Getauften hinsichtlich der Glaubenswahrheiten und ihrer Bedeutung für das liturgische, pfarrliche, familiäre und gesellschaftliche Leben weiterzuführen und die Mitarbeiter sorgfältig auszuwählen. So ermöglicht Ihr den Laien, sich tatsächlich in der Kirche einzugliedern, in ihr ihren Platz einzunehmen und die empfangene Taufgnade fruchtbar zu machen, um gemeinsam der Heiligkeit entgegenzugehen und zum Wohl aller zu wirken.“

[2]           Vgl. für die Schweiz: Pastoralplanungskommission der Schweizer Bischofskonferenz (Hg.), Seelsorgeberufe in Veränderung, St. Gallen, Edition SPI, 2014.

[3]           Vgl. Interdikastarielle Instruktion zu einigen Fragen über die Mitarbeit der Laien am Dienst der Priester vom 15. August 1997; Dogmatische Konstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils über die Kirche „Lumen Gentium“ vom 16. November 1964, Nr. 10.

[4]           Vgl. Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über Dienst und Leben der Priester „Presbyterorum Ordinis“ vom 7. Dezember 1965, Nr. 2.

[5]           Vgl. Homiletisches Direktorium der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung vom 29. Juni 2014, Nr. 5.