SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 08.09.2017

Message de la Conférence des évêques suisses à l’adresse des agents pastoraux, prêtres, diacres et laïcs


SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 31.07.2017

Niklaus von Flüe 2017



SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 21.05.2017

Vernissage des Schweizer Pavillons an der Reformations-Weltausstellung in Wittenberg


Mitglied der SBK Mitglied der SBK | 30.01.2017

Wort der Bischöfe zum Krankensonntag 2017 (5. März 2017)


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Medientext

SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 28.07.2014

Medientext zur Botschaft der Schweizer Bischöfe zum 1. August 2014

Ein halbes Jahr nach der „Masseneinwanderungsinitiative“ und wenige Monate vor der Abstimmung über die «Ecopop-Initiative» regt der emeritierte Tessiner Bischof Pier Giacomo Grampa  im Namen der Schweizer Bischöfe dazu an, am 1. August neu über die «Identität» der Schweiz nachzudenken, über unser Verhältnis zu «Ausländern» und die Gestaltung des Zusammenlebens in unserem Land. Und der Bischof warnt vor den „unsichtbaren Ausländern“, vor denen wir uns wirklich fürchten müssen.

Bischof Grampa erinnert an die „Identität des Schweizer Volkes“, welche immer aus unterschiedlichen Sprachen, Konfessionen, Kulturen und Traditionen gebildet war. In der ‚Willensnation Schweiz‘ fanden liberale, sozialistische, reformierte, katholische, urbane und ländliche Kulturen zusammen. Christliche Werte sind dabei tief im Schweizer Volk verwurzelt. Grampa mahnt, diese christlichen Werte immer wieder zu aktualisieren: „Es genügt nicht, sich ihrer zu erinnern und sie im Munde zu führen. Es bedarf auch der Interpretation, des Klarwerdens über ihre Bedeutung für heute, vor allem auch der praktischen Umsetzung.“

Dies sei vor allem notwendig, um die Vereinnahmung angeblicher christlicher Werte durch fremdenfeindliche Kräfte zu bekämpfen: „Gegenwärtig werden die christlichen Werte häufig von Leuten verkündet, die sie als Werkzeug gegen einen potentiellen Feind instrumentalisieren wollen: gegen den Anderen, gegen den Fremden, gegen Muslime. Wir dürfen uns als Kirchen nicht darauf beschränken, diese Werte nur zu wiederholen, ohne sie für die Gegenwart auszulegen. Sonst werden wir eine Menge guter Christen haben, die überzeugt davon sind, dass das Christentum am besten durch die Begrenzung der Zuwanderung von Ausländern verteidigt wird, dass man deren Rechte einschränkt und Mauern und Schranken errichtet.“

Nach der Annahme der „Masseneinwanderungsinitiative“ tut ein Nachdenken über unser Verhältnis zu Ausländern Not. Wobei Grampa davor warnt, alle Befürworter als fremdenfeindlich abzustempeln. Das Unbehagen vieler Menschen habe auch soziale Ursachen: „Das geht so weit, dass unsere Arbeiter ihren Job verlieren und durch ausländische Billiglohnkräfte ersetzt werden. Dieser Schande muss man die Stirn bieten und sie bekämpfen, indem man einen Mindestlohn für die unterschiedlichen Wirtschaftssektoren festlegt. Auch wenn die letzte Volksinitiative für einen Mindestlohn deutlich abgelehnt wurde, so bleibt das Problem doch aktuell.“

Doch Grampa warnt auch vor Naivität in der Ausländerfrage. Reale Ängste der Menschen müssten ernst genommen werden, denn „die Angst zu verleugnen bedeutet, die Wirklichkeit zu verleugnen“. Die nachhaltigste Form zur Überwindung dieser Ängste ist für den Bischof die Begegnung: „Die Regel, dass man jemandem in die Augen schauen muss, wenn man ein Almosen gibt, gilt auch für die Begegnung mit einem Menschen, den man nicht kennt. Es öffnet sich eine andere Perspektive.“

Tatsächlich gibt es für Grampa auch ‚Fremde‘, vor denen wir wirklich Angst haben müssen: „Es sind ‚unsichtbare‘ Fremde‘, ohne Gesicht. Eine Begegnung mit ihnen ist unmöglich, doch bestimmen sie die Bedingungen für unser Leben und sind für das Zusammenleben eine wirkliche Gefahr. Das sind die internationalen Finanzgesellschaften, die ganze Wirtschaftssysteme zusammenbrechen lassen, nur durch das Verschieben von Vermögen, ohne Werte zu schaffen. Das sind auch verbrecherische Clans, die zur Geldwäsche Unternehmen und Gewerbebetriebe unter ihre Kontrolle bringen und den Gewinn ihrer Massagesalons und Bordelle über den Finanzmarkt verschieben.“ Dieser ‚Fremde‘ verursache zwar keine Staus auf der Autobahn und breche nicht in Häuser ein. „Aber er nimmt uns hinterhältig in seine Fänge, indem er uns das Gewissen und die Kultur stiehlt.“

In Erinnerung daran, was unsere Identität und unsere Kultur ausmacht, wünschen die Schweizer Bischöfe allen Einwohnerinnen und Einwohnern der Schweiz einen frohen und hoffnungsvollen 1. August.

Bischof Pier Giacomo Grampa