SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 31.07.2017

Niklaus von Flüe 2017



SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 21.05.2017

Vernissage des Schweizer Pavillons an der Reformations-Weltausstellung in Wittenberg


Mitglied der SBK Mitglied der SBK | 30.01.2017

Wort der Bischöfe zum Krankensonntag 2017 (5. März 2017)


19.01.2017

Abschlusscommuniqué des 17. Internationalen Bischofstreffens für Solidarität mit der Kirche im Heiligen Land (14.-19. Januar 2017)


Alle Dokumente

Antelias Liban, conférence de presse CES & FEPS/ Photo: Catholicossat arménien / Charbel

26.11.2015

Religionsfreiheit - Ressource für die Zukunft einer multikulturellen Gesellschaft

Gemeinsame ökumenische Erklärung der Präsidien des Kirchenbundes und der Schweizer Bischofskonferenz

Gemeinsame ökumenische Erklärung anlässlich der Reise der Vertreter beider Kirchen in den Libanon und des Aufrufes an die Kirchengemeinden, sich für die verfolgten Christen und Kriegsopfer im Nahen Osten ein­zu­setzen.

  1. Mit geeinter Stimme rufen die reformierte und die römisch-katholische Kirche in der Schweiz zur Religionsfreiheit im Nahen Osten und der ganzen Welt auf. Die in den Doku­menten des Zweiten Vatikanischen Konzils zur Religionsfreiheit und des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) [1] angesprochenen Aspekte werden von den Kirchen der Schweiz vollumfänglich unterstützt.
         
  2. Religionsfreiheit bedeutet, dass jeder Mensch das Recht haben muss, sein Leben in der Gesellschaft ohne Zwang nach seinen persönlichen und geistlichen Vorstellun­gen zu gestalten und seinen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen, ohne Druck ausge­setzt zu sein. Religionsfreiheit fordert, dass alle Mitglieder der Religionsge­meinschaf­ten ihr Leben organisieren und ihren Glauben ungehindert leben können, sofern sie dadurch nicht die öffentliche Ordnung gefährden. Dies beinhaltet auch das Recht zu konvertieren, ohne Repressalien befürchten zu müssen.
       
  3. Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht, denn Religion ist ein wesentlicher Bestand­teil ­des Menschseins. Im Sinne der Bibel wurde der Mensch als Ebenbild Gottes geschaf­fen. Er lebt sein Mensch-Sein durch seine Beziehung zu anderen Menschen und zu Gott. Durch Jesus Christus hat Gott alle Menschen zu freien Menschen ge­macht. Er hat sie von jegli­cher Form der Sklaverei befreit, damit sie frei bleiben.
         
  4. Religionen sind für das gesellschaftliche Leben unerlässlich, denn sie stellen einen wesentlichen Bestandteil des menschlichen Lebens dar und leisten einen Beitrag zur Schaffung von Werten, die für das Leben in einer Gesellschaft erforderlich sind. Diese Werte spielen eine wichtige Rolle in der demokratischen Debatte, auch wenn sie, wie al­les im Leben, verfälscht, manipuliert oder instrumentalisiert werden kön­nen. Sie sind die Grundlage allen respektvollen, solidarischen, gerechtigkeitsorien­tierten und friedvollen Zusammenlebens. Die christlichen Werte des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung bie­ten entscheidende Perspektiven für den Aufbau einer Gesellschaft auf der Grundlage von Eintracht einer zukunftsorientierter Dynamik. Vergleichbare Werte finden sich auch im Kern anderer Religionen; dies ermöglicht ein friedvolles und respektvolles Miteinander.
       
  5. Angesichts des täglichen, nicht anhaltenden Nachrichtenflusses und des grossen Zustroms von Flüchtlingen und Vertriebenen stellen wir mit Bedauern fest, dass Men­schenrechte und Religionsfreiheit in vielen Regionen der Welt missachtet werden. Dies gilt insbesondere für Syrien, den Irak und den Nahen Osten.Terroristische Organisationen, die ausser ihrer Bezugnahme auf Religion mit dieser nichts gemein haben, massakrieren blindwütig, treten Rechte mit Füssen, vergewal­tigen Frauen und zerstören das Weltkulturerbe.Sie bedrohen all diejenigen, die sich nicht zu den so genannten Werten des radika­len Islamismus bekennen – gleichgültig, ob es sich um schiitische oder sunnitische Mus­lime oder um Angehörige anderer religiöser Minderheiten handelt. Dazu gehö­ren auch Christen verschiedener Konfessionen, die eine wahrhaftige «religiöse Säube­rung» erleiden, unter anderem weil sie angeblich die Werte des verabscheu­ten Westens verkörpern. Diese Christen leben jedoch bereits seit über 2000 Jahren dort, sie sind integraler Bestandteil der Kultur dieser Region. Sie sind Opfer sozia­ler, poli­tischer, wirtschaftlicher und rechtlicher Diskriminierungen sowie religiöser Unter­drückung. Aus Angst vor Verfolgung und Ermor­dung sehen sich daher viele gezwungen, ins Exil zu gehen.
       
  6. Gemeinsam mit den Vertretern des Ökumenischen Rates der Kirchen und Papst Franziskus appellieren der Schweizerische Evangelische Kirchenbund und die Schweizer Bischofskonferenz an alle politischen und religiösen Institutionen sowie die lokalen und internationalen Organisationen, alles zu tun, um die Bürgerkriege und Verfolgungen zu beenden sowie die Achtung der Religionsfreiheit aller Gemein­schaf­ten und Menschen sicherzustellen, so dass innerhalb der Nationen und zwischen den Nationen der Region ein dauerhafter religiöser Frieden geschaffen werden kann. Ohne Achtung der Religions­freiheit ist dauerhafter Frieden nicht mög­lich. Ohne religiöse Dimension ist keine Gesell­schaft eine wirklich menschliche Gesellschaft. Die Unterzeichnenden appellieren an die Christen in der Schweiz und bitten sie um Mitge­fühl für ihre Glaubensgenossen aus diesen Gebieten, die in einer dramatischen Situation leben und ebenso für alle Gläubigen, die sich in einer gefahrvollen Lage befinden. Sie bitten um solidarische Grosszügigkeit, der über die verschiedenen angebotenen Mög­lichkeiten Ausdruck verliehen werden kann. Unserer säkularisierten Gesellschaft rufen sie in Erinnerung, dass die Religionsfreiheit ein grundlegendes Wahlrecht jedes Menschen ist und es ein Irrtum wäre, aufgrund der Beispiele aktuel­ler terroristischer oder früherer extre­mistischer Gruppen schlusszu­folgern, dass die Zugehörigkeit zu einer Religion nur verach­tet, abgelehnt oder instrumentalisiert werden kann.
       
  7. Vom Libanon aus, einem ausgeprägt pluralistischen Teil der Erde, einem Aufnahme­land von Millionen Flüchtlingen, vertrauen sich der Kirchenbund und die Bischofs­konferenz Gott dem Schöpfer und Erlöser an. Wir rufen alle Menschen guten Willens auf, sich für die Achtung der Religionsfreiheit einzusetzen, so dass die unterschiedli­chen konfessionellen Ausrichtungen der Länder im Nahen Osten wieder dauerhaft in Frieden zusammenleben können. Die Zukunft der Menschheit steht auf dem Spiel.
       

Beirut, Bern / Freiburg, den 25. November 2015

 

Gottfried Locher                                                 Bischof Markus Büchel
Ratspräsident Kirchenbund                                Präsident der Schweizer Bischofskonferenz

 

[1] Zweiter Vatikanischer Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit, «Dignitatis humanae» vom 7.12.1965; Ökumenischer Rat der Kirchen/Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten, Dokument «Religious minorities and rights for religious freedom» vom 2.12.2011 (existiert nur in englischer Sprache).