SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 08.09.2017

Versammlung der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) in St. Niklausen


SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 06.09.2017

5. Dialogrunde zwischen der Organisation für Islamische Kultur und Beziehungen und der Kommission für den Dialog mit Muslimen der Schweizer Bischofskonferenz vom 26. 31. August 2017 in Iran


Justitia et Pax | 01.09.2017

Die Schweizerische Nationalkommission Justitia et Pax begründet ihr JA zur Reform der Altersvorsorge 2020 aus sozialethischer Sicht


SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 31.07.2017

Videobotschaft zum 1. August als Auftakt zur Wallfahrt in den Flüeli Ranft


SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 05.07.2017

Jugendsynode 2018


Alle Dokumente

Mitglied der SBK Mitglied der SBK | Mediencommuniqué | 27.02.2012

Gleichstellung macht satt

Bischof Markus Büchel unterstützt die Kampagne des Fastenopfers

Während der Fastenzeit erinnern die kirchlichen Werke Fastenopfer, Brot für alle und Partner sein daran, dass das Recht auf Nahrung noch immer nicht für alle Menschen realisiert ist. Der Skandal Hunger ist noch immer für viele Menschen eine traurige Realität. Die Hungerproblematik ist eine komplexe Fragestellung, weswegen es verschiedenste Aspekte zu beleuchten gilt. Im Kampf gegen den Hunger spielt auch die Gleichberechtigung der Geschlechter eine wichtige Rolle.

Unter Gleichberechtigung versteht Fastenopfer gleiche Chancen für Jung und Alt, für Frauen und Männer, kurz: die Anerkennung der Menschen in ihrer Diversität hinsichtlich des Geschlechts, der Herkunft, des Glaubens und des Alters. „Das Fastenopfer bekennt sich für ein ‚Leben in Fülle’ (Joh 10,10). Denn durch die biblische Vision vom Reich Gottes, ist ein solches allen Menschen – unabhängig von ihrer sozialen und religiösen Stellung – verheissen“, heisst es im Leitbild des Hilfswerks. Der Zugang zu und die Verfügungsmacht über natürliche Ressourcen – wie Land, Wasser und Luft – aber auch zu immateriellen Ressourcen wie Bildung, Gesundheit, Recht – kann ein solidarisches Dasein auf das verheissene Leben in Fülle hin fördern.

Extreme Armut trifft das weibliche Geschlecht in der Regel stärker. Obwohl Frauen mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen, besitzen sie weniger als einen Hundertstel der globalen Reichtümer und nur gerade 10% des globalen Einkommens. Gleichzeitig wird von Frauen weltweit 70% der unbezahlten Arbeit verrichtet, insbesondere Pflege- und Versorgungsarbeit von Kindern, älteren Menschen und Kranken (Care-Ökonomie). Eine Diskriminierung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts ist angesichts dieser Tatsachen kaum in Abrede zu stellen.

Tatsache bleibt auch, dass insbesondere Frauen aus ländlichen Gebieten kaum Zugang zu vitalen Ressourcen haben. So besitzen Frauen weltweit weniger als 10% des kultivierten Landes, produzieren aber in den Entwicklungsländern mehr als 70% der Nahrungsmittel des Eigenbedarfs. Es sind auch immer noch mehrheitlich Männer, die entscheiden, was wo wann angebaut wird, welche Produkte vermarktet werden und wofür der Ertrag verwendet wird.

Um einen erleichterten Ressourcen-Zugang für Frauen zu ermöglichen, müssen beide Geschlechter in Umverteilungsprozesse einbezogen werden. Wichtig ist, dass Männer und Frauen gemeinsam positiv motiviert werden, sodass sie die Vorteile sehen und die Ideen aktiv mittragen.

Fastenopfer ruft in der Fastenzeit zum Teilen auf. Zwischen dem Teilen von Brot und dem Teilen von Entscheidungshoheit gibt es einen Zusammenhang. Brot bedeutet einerseits konkrete, materiell überlebenswichtige Aspekte der Versorgung mit Nahrung. Andererseits steht Brot symbolisch für alles, was unser Leben auch sonst nährt: die Hingabe und Liebe Gottes, Anerkennung, Wissen, Liebe und Beziehungen. Geschenke also, die es zu teilen gilt, um sie überhaupt erst geniessen zu können. Letztlich geht es darum, Macht zu teilen. Nur wenn alle – Frauen und Männer – gleichberechtigt Platz nehmen können am Esstisch, an dem das Brot geteilt wird, oder am Verhandlungstisch, an welchem Entscheide gefällt werden, ist ein „Leben in Fülle“ für alle möglich.

Fastenopfer versteht sich als Anwalt der Armen und Entrechteten. In Zusammenarbeit mit befreundeten Organisationen ergreift es in der Öffentlichkeit und gegenüber Entscheidungsträgern Partei für sie.

In der ökumenischen Fastenkampagne dieses Jahres rufen die Hilfswerke in Erinnerung, dass mehr Gleichberechtigung auch weniger Hunger bedeutet. Mit unserem Teilen des Brotes, aber auch durch unseren Einsatz zum Teilen von Macht können wir einen Beitrag dazu leisten, dass mehr Menschen menschenwürdig leben und nicht an Hunger leiden müssen. Dadurch erweisen wir uns auch als Geschöpfe Gottes, der uns als Männer und Frauen geschaffen hat – als seine Ebenbilder.

Im Namen der Hilfswerke danke ich allen Frauen und Männern, die sich für die diesjährige Fastenaktion der Kirchen engagieren und die Solidarität mit den Menschen in den Projektländern fördern.

Bischof Markus Büchel ist Präsident des Stiftungsrats des Fastenopfers