16.03.2017

Schweizerischer Evangelischer Kirchenbund, Schweizer Bischofskonferenz, Römisch-Katholische Zentralkonferenz der Schweiz, Verein „600 Jahre Niklaus von Flüe“


SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 09.03.2017

Migrantenseelsorge auf dem Prüfstand


14.02.2017

Expertengruppe der Schweizer Bischofskonferenz studiert das "Modell Benin"




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Johannes XXIII. und Johannes Paul II.

27.04.2014

Zu den Heiligsprechungsfeierlichkeiten in Rom

Wir sind heute Sonntag, 27. April 2014, auf spezielle Weise mit der feiernden Weltkirche in Rom verbunden. Zwei grosse Päpste sind durch Papst Franziskus heilig gesprochen worden.

Johannes XXIII hatte 1962 überraschend für viele das II. Vatikanische Konzil eröffnet. Er ist mir als Seelsorger wie als Kirchendiplomat in Erinnerung. Ich bin dem „Konzilspapst“ sehr dankbar, dass er den Mut hatte, diesen wichtigen Weg zu eröffnen. Papst Franziskus bezeichnet das Konzil treffend als „Markstein der Kirche des 20. Jahrhunderts und Leuchtturm für die Zukunft“. Johannes XXIII wollte die Kirche „in die Welt von heute“ führen, sie sollte nicht als Relikt aus einer längst vergangenen Zeit wahrgenommen werden. Ich war zu dieser Zeit im Gymnasium Marienburg der Steyler-Missionare und verfolgte mit Spannung die Geschehnisse in Rom. Eigens für die Konzilseröffnung wurde der erste Fernseher angeschafft für die Gemeinschaft. Johannes XXIII wurde von den Menschen die ihm begegneten als „gütiger, freundlicher Papst“ beschrieben – bis heute nennen ihn viele in Italien „papa buono“. Heute erinnert mich seine Persönlichkeit stark an Papst Franziskus.

Johannes Paul II spielte als Papst aus Polen eine wesentliche Rolle in der Zeit, als der Eiserne Vorhang immer weiter zerrissen wurde. Sein Einsatz für Frieden und Dialog war immens wichtig für die Oststaaten Europas. Auf seinen über 100 Auslandreisen setzte er sich weltweit für Frieden zwischen Nationen und Religionen ein. Ich erinnere mich beispielsweise daran, wie Johannes Paul II als erster Papst überhaupt eine Synagoge besuchte und damit ein wichtiges Zeichen der Versöhnung mit dem Judentum setzte. Als Vater der Weltjugendtagbewegung hatte er die Gabe, jungen Menschen in der katholischen Kirche einen hoffnungsvollen, frohen Glaubensweg aufzuzeigen. Kirchenpolitisch führte Johannes Paul II die Kirche in seinen 26 Amtsjahren aber eher zurück in zentralistische Strukturen, er galt als konservativ, beides wurde immer wieder kritisch angemerkt. Gerade weil er alt und krank war gewann Papst Johannes Paul II. in seinen letzten Lebens- und Leidensjahren neues Ansehen. Er gab ein eindrückliches Zeugnis dafür, dass auch alte und kranke Menschen in unserer Gesellschaft wichtige Funktionen erfüllen und ihre Würde behalten können.

Beide grossen Päpste, die heute heilig gesprochen werden, mögen uns Fürbitter sein für eine Kirche, die immer wieder die Zeichen der Zeit erkennt, sich für die Welt einsetzt und das Evangelium als prägende Kraft für die Zukunft verkündet und weiterträgt.

+Markus Büchel
Bischof von St. Gallen