SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 02.06.2013

Ein doppeltes Jubiläum


03.06.2013

Predigt von Bischof Markus Büchel, Präsident der SBK, im Festgottesdienst in Einsiedeln am 2. Juni


Medienstelle | 03.06.2013

Ansprache von Bundesrätin Doris Leuthard im Festgottesdienst am 2. Juni in Einsiedeln


03.06.2013

Ansprache von Ständerat Paul Niederberger, Präsident der Inländischen Mission, im Festgottesdienst in Einsiedeln am 2. Juni


03.06.2013

„Wir bauen gemeinsam Kirche“

Predigt von Bischof Markus Büchel, Präsident der SBK, im Festgottesdienst in Einsiedeln am 2. Juni

Bischof Markus Büchel dankt für das Engagement von Laien und Seelsorgern für eine Kirche, die in der Gesellschaft von früher und von heute das Wohnen Gottes unter den Menschen bezeugt. Angesichts der Herausforderungen für die Zukunft appelliert Bischof Markus an das mitbrüderliche Zusammenwirken aller Bischöfe und warnt vor unangemessenen medialen Äusserungen,kirchlicher Leitungspersonen, welche viele in der Kirche engagierte Menschen verletzen können.

Liebe Festgemeinde, liebe Brüder und Schwestern im Glauben

Einen Jubiläumsgottesdienst feiern heisst zurückblicken – in Dankbarkeit allen Menschen gegenüber, die sich in den letzten 150 Jahren eingesetzt haben, dankbar aber auch Gott für all seine Begleitung und seinen Segen. Ist es aber nur Rückblick? – nein: Wir sind gefordert, aus dem heute den Blick in die Zukunft zu richten!! Papst Franziskus hat uns ein klares Zeichen gegeben im Zusammenhang mit dem Konzilsjubiläum: Wir sollen dem Konzil nicht ein Denkmal bauen, sondern fragen, was von der Botschaft des Konzils noch brach liegt. Unsere Frage lautet heute: Wie können wir die Glut des Anfangs sowohl der Bischofskonferenz wie der Inländischen Mission neu zu Feuer entfachen, was lernen wir aus dem Weg der Geschichte, um die Zeichen der Zeit heute zu erkennen und unsere Verantwortung als Bischöfe wie in der IM als Hilfswerk wahrzunehmen?

Blick in die drei Texte der liturgischen Leseordnung

In der ersten Lesung steht ein Gebäude im Mittelpunkt, der Tempel –

Einerseits stolzer Bau in der Stadt, in der tieferen Bedeutung aber auch  herausgehobener Ort:

Er ist der Ort der Gegenwart Gottes, jenes Gottes Jahwe, der sich in seinem Namen geoffenbart als Gott barmherziger Gerechtigkeit, als Gott mit den Menschen und für die Menschen. – Menschen kommen dorthin, um Gott zu begegnen  – mit einer grossen Hoffnung…

Der Tempel sammelt Menschen zu solidarischer Gemeinschaft über alle Bekenntnisse hinweg…

Auch wir bauen Kirchen. Die IM hat während Jahrzehnten den Bau vieler Kirchen unterstützt. Wir fragen uns: Welche Bedeutung haben denn diese Bauwerke für uns Christen?

Kirchen sind Zeichen in der Gesellschaft für eine andere Wirklichkeit, das Wohnen Gottes unter uns Menschen. Eine Kirche zu bauen hat einen tief pastoralen Sinn, sie ist ein Ort für das Feiern des Glaubens, sie sammeln Menschen zur Gemeinschaft und zum Gebet, sie ermöglichen Verkündigung und sind selber Botschaft. Wo  Menschen sich im Glauben mit Blick auf Christus in der Mitte versammeln, werden Grenzen überwunden – da reifen wir zu jenem von Gott geoffenbarten  Menschsein, das jeden Menschen und alles Leben achtet und eines jeden Menschen Würde schützt. Wo eine säkulare Gesellschaft Raum für sakrale Bauten achtet, schützt sie das Recht des Menschen, seinen Glauben öffentlich zu bekennen und zu feiern. Die IM hat in unserer ganz konkreten Schweizergeschichte mit den 26 Kantonen vor allem in den Diasporagebieten und heute in den Bergregionen dieses Bedürfnis und auch dieses Recht des Menschen als Hilfswerk unterstützt und damit ein glaubwürdiges und beredtes Zeichen christlicher Solidarität gesetzt. Dadurch wurden konfessionelle Gräben, aber auch Spannungsfelder zwischen Staat und Kirchen immer mehr überwunden. So erwächst uns heute die Verantwortung, nach den Zeichen der Zeit in der heutigen Gesellschaft und Kirche zu fragen und uns als Kirche für das Wohl der Menschen mit den heutigen Bedürfnissen und Notwendigkeiten einzusetzen. Wir werden als Getaufte zum „neuen Tempel aus lebendigen Steinen“, zum Tempel, der durch Christus  im Heiligen Geist immer neu aufgebaut wird. Im Konzils-Dekret über das Apostolat der Laien (14) wird diese Aufgabe geradezu als Sendung  beschrieben, wenn es heisst: „Die Katholiken seien bestrebt, mit allen Menschen guten Willens zusammenzuarbeiten zur Förderung alles dessen, was wahr, gerecht, heilig und liebenswert ist (vgl. Phil 4,8). Sie mögen mit ihnen im Gespräch bleiben, sie an Kenntnis und Menschlichkeit übertreffen und nachforschen, wie man die gesellschaftlichen und öffentlichen Einrichtungen im Geist des Evangeliums vervollkommnen kann.“ Die Inländische Mission ist seit 150 Jahren ein Werk engagierter Laien. Es scheint mir, dass sie in grossem Engagement das gelebt haben, was 100 Jahre später in den Konzilstexten für die ganze Kirche formuliert wurde: nämlich die Zeichen der Zeit zu erkennen und uns für die Solidarität aller Völker einzusetzen. Durch die neuen Reise- und Kommunikationsmöglichkeiten ist die Welt zur Stadt geworden. Wir haben heute die Aufgabe, Kirche zu bauen über alle Kontinente hinweg und mit allen Menschen guten Willens zusammen zu arbeiten. Die IM muss sich deshalb nicht entschuldigen, das kleinste katholische Hilfswerk in der Schweiz zu sein – Laien, die sich hier eingesetzt haben, sind zu Pionieren für die Hilfswerke wie Caritas und Fastenopfer geworden, die heute diese kirchliche Sendung weltweit wahrnehmen. Wenn wir am Jubiläum nicht nur zurückschauen, sondern mit Gottvertrauen vorwärts, höre ich wie eine Mahnung an uns als Kirchenleitung: Vertraut auf das Wirken von Gottes Geist auch heute durch die Laien. Sie stehen mitten in der Welt. Sie haben oft das wachere und unmittelbarere Gespür, was die Menschen heute brauchen und wie die Botschaft des Glaubens Menschen Lebenshilfe sein kann. Hinter manchmal herausfordernden und heftigen Anfragen  verbergen sich Nöte und Hilfeschreie, die nicht überhört und nicht totgeschwiegen werden dürfen. Wo die Freude an Gott unsere Kraft ist, münden alle Fragen und Herausforderungen von Mitmenschen in einen konstruktiven und zukunftsweisenden Dialog. Zeigt uns beim Jubilieren nicht auch die Geschichte, dass aus einer Zeit des Kulturkampfes und eines Gegeneinanders  ein konstruktives ökumenisches Miteinander werden kann, wenn wir miteinander die Freude an Gott entdecken und aus jener Kraft die nötigen Schritte tun?

Cari confratelli,

Nella Lettera ai Galati incontriamo l'apostolo Paolo. L'apostolo mira a precisare la sua vocazione: chiamato non dagli uomini o da un uomo in particolare, bensì da Gesù Cristo e da Dio, il Padre. Su questa specifica chiamata Paolo fonda la sua autorità – autorità che gli permette di ammonire le comunità dei Galati, che stavano derivando dal cammino del Vangelo autentico, facendo della condiscendenza e del benvolere degli uomini il proprio criterio d'orientamento, e falsando in tal modo il Vangelo che Paolo annuncia. Compito di Paolo è di condurre gli uomini a quell'apertura e a quella libertà che fa di lui, secondo la vocazione ricevuta da Cristo, l'apostolo di tutte le genti, anche dei pagani.

Dans les quelques versets du passage que nous venons de lire de la Lettre aux Galates il apparaît deux choses surtout:

D'une part: l'Eglise et le service des apôtres répondent à un appel du Christ – c'est Lui qui édifie son Eglise comme sacrement, qui la charpente par la hiérarchie et lui attribue les ministères. Deuxièmement: la communauté, toute communauté est appelée à reconnaître cette vérité dans ce qu'elle fait et dans ce qu'elle croit. Nous ne "faisons" pas l'Eglise par nous-mêmes, nous ne l'organisons pas selon nos propres critères; au contraire, nous sommes redevables de l'Evangile; l'Evangile témoigne que l'Eglise est conduite par le Christ Lui-même. Le ministère des apôtres demande à nous, évêques, de faire tout ce qui est en notre pouvoir pour que l'Evangile de Jésus-Christ ne soit pas altéré. Nous avons le devoir d'annoncer la bonne nouvelle de Jésus comme source de liberté et de vie... et bien sûr pas comme un boulet dans notre vie, mais comme joie pour la vie! Pourtant, cela nous réussit uniquement si nous sommes nous-mêmes véritablement remplis de cette force que nous donne l'Esprit Saint. 

N'est pas cela qui rend parfois tellement difficile notre service d'évêques à l'heure actuelle? Est-ce que nous ne courons pas le danger de perdre cette dimension sacramentelle de l'Eglise et de ne confier que dans nos propres plans?

Il nous faut faire confluer les deux choses: d'abord cet aspect important que l'Eglise est conduite par Dieu et ensuite le discernement avisé des situations concrètes des gens et de la société actuelle.

Demandons-nous donc: est-ce que cette confluence ne s'est-elle pas réalisée il y a 150 ans, lors de la fondation de la Conférence des évêques?

Die geschichtlichen Bedingungen in der Schweiz mit den vielen Kantonen und den unterschiedlichen Bistümern erforderten in vielen Fragen eine Zusammenarbeit der verantwortlichen Bischöfe. Es gab immer mehr Fragen, die nur gemeinsam angegangen und gelöst werden konnten, ohne die Verantwortung des einzelnen Bischofs einzuschränken. Den Anstoss zu solcher Zusammenarbeit gaben Laien, denen die Botschaft der Kirche als gesellschaftsgestaltende Kraft ganz besonders am Herzen lag. Heute ist die Existenz von Bischofskonferenzen Allgemeingut in der ganzen Weltkirche. Die Kollegialität und die Einheit der Bischöfe sind heute besonders gefordert in einer säkularen Gesellschaft und in einem säkularen Staat. Nur so können wir die Kraft der Botschaft Jesu bezeugen und glaubwürdig in eine kritische und mediale Welt hineinwirken. Wir erfahren es fast täglich, jeder Bischof prägt mit seiner Art nicht nur das Bild seines Bistums, sondern der ganzen Kirche – und jeder Mitarbeitende der Leitungsgremien verletzt mit unangemessenen medialen Äusserungen viele Menschen, die sich mit grossem Engagement für die Kirche in unserem geschichtlich gewachsenen System der Kirche mit Überzeugung einsetzen. Wir bewegen uns also in einem sehr sensiblen Umfeld und es ist für uns Bischöfe wichtig, in mitbrüderlicher Zusammenarbeit die Herausforderungen der Zukunft anzugehen.

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben –

Sie spüren also, Kirche als Gemeinschaft der Glaubenden ist ein vielfältiges und grossartiges Zusammenspiel zwischen Gott und Menschen, zwischen Menschen mit den verschiedensten Gaben, Berufungen und Diensten, zwischen Laienchristen und Ordinierten, zwischen Rückwärtsschauenden und Vorwärtsdrängenden, zwischen Entschiedenen und Suchenden, zwischen Bischöfen und Hilfswerken wie der IM… – wir alle aber bauen Kirche nur gemeinsam, wenn allen die Freude an Gott das Wichtigste ist und wir daraus Kraft schöpfen. Oder dürfen wir nicht vertrauen, dass Jesus auch heute dort, wo er Glauben, Vertrauen, Hoffnung und Liebe findet –wie beim heidnischen Hauptmann im Evangelium – das Wunder wirkt. Auch das Wunder, dass er uns den guten Weg in die Zukunft weist? Uns, der Inländischen Mission und der Schweizer Bischofskonferenz?

Bischof Markus Büchel