19.12.2012

Gottes Bund mit Abraham – Brit bejn ha‐B‘tarim


19.12.2012

Erläuterungen von Frau Prof. Lenzen, Co-Präsidentin der Kommission



19.12.2012

Richard Breslauer: Genesis 15, Targum Jonathan


19.12.2012

Eine jüdische Predigt zu Genesis 15 von Rabbiner David Bollag, Institut für Jüdisch-Christliche Forschung, Universität Luzern


19.12.2012

Der Tag des Judentums 2013 in der Schweiz

Erläuterungen von Frau Prof. Lenzen, Co-Präsidentin der Kommission

Am zweiten Fastensonntag 2013, am 24. Februar, wird in der römisch-katholischen Kirche der Schweiz zum dritten Mal der Tag des Judentums begangen. Auf diese Weise soll die tiefe Verbundenheit von Judentum und Christentum zum Ausdruck gebracht werden.

Am Tag des Judentums wollen wir uns ins Bewusstsein rufen, was das Judentum in Vergangenheit und Gegenwart für uns und für unseren christlichen Glauben bedeutet. Wir sind darin verwurzelt (vgl. Römer 9-11). Die Juden sind unsere älteren Geschwister im Glauben. Gott hat das Volk Israel in Liebe erwählt und mit ihm seinen Bund geschlossen, und dieser bleibt für immer bestehen. So stehen die Juden in einem besonderen Verhältnis zu uns Christen. Wir teilen mit ihnen den Glauben an Gott, der sich zuerst dem Volk Israel offenbart hat. Jesus und seine Mutter Maria, die Apostel und die ersten gläubigen Christen waren Juden. Früh kamen dann auch Heiden, das heisst also Nicht-Juden, zum Glauben an Christus und bildeten zusammen mit jenen Juden, die an Jesus als Sohn Gottes glaubten, die eine gemeinsame Kirche aus Juden und Heiden.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies in der Epoche machenden Erklärung Nostra Aetate (1965) festgehalten. Es war eine geistliche Revolution, als das Zweite Vatikanische Konzil 1965 die israelitisch-jüdischen Wurzeln unseres christlichen Glaubens in Erinnerung rief und zeigte, wie verehrungswürdig sie für uns sind. Seitdem haben zahlreiche Dokumente von katholischer, evangelischer und jüdischer Seite die geistliche Verbundenheit der Kinder Abrahams betont und das geschwisterliche Gespräch gefordert. [1] Die Kirche will die gegenseitige Kenntnis und Achtung der Religionen fördern. Es hat in der Geschichte zuviel Ablehnung, Verachtung und Hass gegenüber den Juden gegeben. Das widerspricht dem christlichen Glauben und muss im Kampf gegen alle Manifestationen von Antijudaismus und Antisemitismus endgültig überwunden werden.

Für den Tag des Judentums im Jahr 2013 werden wiederum die von der Jüdisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission erarbeiteten Grundlagentexte und liturgischen Hilfen den Pfarreien und allen Interessierten zur Verfügung gestellt. Während im vergangenen Jahr als alttestamentliche Lesung Genesis 22, das Opfer von Abraham bzw. die Bindung Isaaks auf den Opferaltar, im Mittelpunkt stand, werden wir nun in die Abrahams-Geschichte zurückversetzt, in das 15. Kapitel des Buches Genesis: die Verheissung einer grossen Nachkommenschaft, zahlreich wie die Sterne am Himmel, und Jahwes rechtsverbindlicher Bund mit Abram, der die Zusage des Landes für die leiblichen Nachfahren zeichenhaft besiegelt. Die Lesung bezeugt Gottes Bundestreue und Abrahams Glaubensstärke, sein Vertrauen in Jahwe: „Abraham, den Herrn der Sterne, hat er sich zum Ahn erlesen“, schrieb Goethe im West-östlichen Diwan. Der jüdische Jugendstilmaler Ephraim Moses Lilien (1874–1925) hat die unerschütterliche Zuversicht von Abraham unter dem Sternenhimmel, dem Spiegelbild des von ihm abstammenden Volkes, im Bild festgehalten. „Deinen Nachkommen gebe ich dieses Land vom Grenzbach Ägyptens bis zum grossen Strom, dem Eufrat“, heisst es in Vers 18. Die Verheissung des Landes an Abrahams Nachkommen ist nicht neu; die Verheissungen wurden schon zweimal ausgesprochen (Gen 12,7; Gen 13,14ff.). „Das Neue ist“, schrieb der jüdische Exeget Benno Jacob 1934 in seinem Genesis-Kommentar, „dass sie nunmehr absolut gegeben werden, losgelöst von Zeit, Ort und Umständen.“ [2] So wird die tiefe Verbundenheit des Volkes Israel mit dem Land unterstrichen. Aus jüdischer Sicht bieten zwei Mitglieder der Jüdisch/Römisch-katholischen Gesprächskommission, Rabbiner Dr. David Bollag und Dr. Richard Breslauer, zusätzliche Interpretationen von Genesis 15.

Da die positive Beziehung der Christen und Christinnen zum Judentum konstitutiv zum Glauben gehört, wurde bei einer bewussten Gestaltung der Liturgie angesetzt. Die vertiefte Feier des Glaubens in der Eucharistie und den Wortgottesdiensten soll auch in Zukunft der Kern des Tags des Judentums bilden.

Zugleich besteht das Bestreben, den Tag des Judentums in eine zweifache Richtung weiter zu etablieren und zu entwickeln: Einerseits werden die Pfarreien aufgefordert, neben der Liturgie an diesem Tag auch andere Gefässe zu nutzen, um das Verhältnis zum Judentum zu thematisieren. Vorträge, Konzerte, Gesprächsrunden helfen, den Glauben zu vertiefen. Es ist wünschenswert, dass sich hier auch ökumenische Initiativen ergeben. Andererseits – und dies ist noch wichtiger – soll sich der Tag des Judentums auch zu einem Tag des gelebten Dialogs mit dem Judentum entfalten. Dialogveranstaltungen zwischen Gemeinden, Begegnungen mit Vertretern und Vertreterinnen des Judentums, gemeinsame kulturelle oder soziale Initiativen sollen organisiert werden. Die unterschiedlichen Initiativen von Einzelnen, von Gemeinden oder anderen Institutionen, die sich der Beziehung von Kirche und Judentum verpflichtet wissen, sind willkommen. Die Rückmeldungen der vergangenen Jahre haben dabei gezeigt, wie kreativ und individuell die Idee des Tags des Judentums in verschiedenen Gemeinden aufgenommen wurde. Die Jüdisch/Römisch-katholische Gesprächskommission sieht sich nicht als Veranstalterin, sondern hilft durch Information und Kommunikation Initiativen zu realisieren und die Angebote zu vernetzen und öffentlich zu machen. Das Konzilsdokument Nostra Aetate und die seither erfolgte Erneuerung des Verhältnisses der Kirche zum Judentum bilden den inhaltlichen Hintergrund, dem sich die Kommission verpflichtet weiss.

Jüdisch/Römisch-katholische Gesprächskommission

Prof. Dr. Verena Lenzen (Co-Präsidentin)

[1] Vgl. Rolf Rendtorff; Hans Hermann Henrix (Hg.): Die Kirchen und das Judentum. Dokumente von 1945-1985. Paderborn, München 1988; Hans Hermann Henrix; Wolfgang Kraus (Hg.): Die Kirchen und das Judentum. Dokumente von 1985-2000. Paderborn 2000.

[2] Benno Jacob: Das Buch Genesis. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit dem Leo Baeck Institut. Stuttgart 2000, 389-406; 402.