19.12.2012

Gottes Bund mit Abraham – Brit bejn ha‐B‘tarim


19.12.2012

Erläuterungen von Frau Prof. Lenzen, Co-Präsidentin der Kommission



19.12.2012

Richard Breslauer: Genesis 15, Targum Jonathan


19.12.2012

Eine jüdische Predigt zu Genesis 15 von Rabbiner David Bollag, Institut für Jüdisch-Christliche Forschung, Universität Luzern


19.12.2012

Kommentar zum Tagesthema

Richard Breslauer: Genesis 15, Targum Jonathan

Genesis 15 ist ein wichtiges Kapitel für den jüdischen Gläubigen, da dem Patriarchen Abraham trotz seines hohen Alters zahlreiche Nachkommen versprochen wurden, sowie das Erbe des Landes Israel.

Targum Jonathan, eine der aramäischen Übersetzungen, nach jüdischer Tradition datiert im 2. Jahrhundert, diskutiert Genesis 15 folgendermassen:

Nach diesen Begebenheiten, als Abram die vier Könige getötet hatte, dachte er in seinem Herzen und sagte: Möglicherweise habe ich meine Belohnung für die guten Taten (מצוות) bereits auf dieser Welt  (עולם הזה)erhalten und habe somit keinen Anteil (mehr) an der kommenden Welt (עולם הבא).

So werden sich die Brüder und die Verwandten der Getöteten zusammenschliessen und sie werden mich angreifen. In jener Zeit waren bei mir noch Verdienste vorhanden und so fielen sie vor mir, beim zweiten Mal habe ich keine Verdienste mehr, und so wird der Name Gottes entweiht.

Infolgedessen war das Wort Gottes in einer Vision bei Abraham und er sagte ihm: Fürchte dich nicht, auch wenn Helden / Kämpfer(גיבורים)  sich zusammenschliessen und dich angreifen würden, ist mein Wort dein Schild, und obwohl sie vor dir niederfallen werden in dieser Welt, ist die Belohnung deiner guten Taten vor mir aufbewahrt für die kommende Welt.“ [1]

Targum Jonathan befasst sich v.a. mit dem ersten Vers von Genesis 15:

Nach diesen Ereignissen erging das Wort des Herrn in einer Vision an Abram: Fürchte dich nicht, Abram, ich bin dein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein.“ [2]

Zwei Fragen tauchen im Targum Jonathan auf:

  • Weshalb kommt die Bemerkung: Nach diesen Ereignissen?
  • Weshalb fürchtet sich Abraham?

Die Kombination dieser beiden Teile des Verses, die Verbindung zwischen den vorausgegangenen Ereignissen und der Furcht, ist für den Targum Jonathan eine Andeutung an das biblische Jenseits-Konzept (Olam Ha-Ba).

Nach diesen Ereignissen, nämlich nach einem Krieg, an dem Abraham teilgenommen hat und der ihm einen grossen Sieg brachte (Kapitel 14), fürchtet sich Abraham. Er fürchtet sich, weil er meint, dass er seine ganze Belohnung, die er von Gott zugute hatte, sowohl in dieser Welt wie auch in der zukünftigen Welt, bereits aufgebraucht hat.

Das Jenseits-Konzept ist nie ausdrücklich erwähnt in der jüdischen Bibel. Doch ist dieses Konzept im 2. Jahrhundert bekannt, und es wurde sogar eine der Streitursachen zwischen dem Judentum und der christlichen Religion in ihrer Entstehungsphase. Deshalb ist es für den Targum in erster Linie wichtig zu behaupten, dass das Jenseits-Konzept dem Abraham schon längst bekannt war.

Hinzu kommt eine der Grundfragen des Jenseits-Konzeptes, nämlich die Frage der Korrelation zwischen Tat, Belohnung oder Strafe. 

Abraham, der Geschäftsmann, nimmt an, dass die himmlische „Buchhaltung“ mit der menschlichen Buchhaltung übereinstimmt. Deshalb befürchtet er, dass nach den Ereignissen im Kapitel 14 sein ganzes „Guthaben“ aufgebraucht wäre. Nun werden seine Feinde auf dieser Welt Rache gegen ihn ausüben. Und umso mehr fürchtet Abraham in der zukünftigen Welt keinen Anspruch mehr zu haben.

Doch Vers 1 endet mit den Worten: ich bin dein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein.

Der Mensch darf nicht die irdischen Berechnungen mit den himmlischen vergleichen. Wir müssen an Gott glauben und seine Gebote einhalten, mit der Überzeugung, dass diese Gebote von einem Gott kommen, der unser Schild ist.

[1] Aus dem Aramäischen übersetzt von Richard Breslauer

[2] Einheitsübersetzung

Richard Breslauer