Der 8. März, der Internationale Frauentag, ist eine gute Gelegenheit, über die aussergewöhnliche Rolle der Frauen in der Bibel nachzudenken und insbesondere darüber, wie Jesus ihnen begegnete. In einem patriarchalischen und oft diskriminierenden sozialen Umfeld behandelte Jesus sie mit Respekt, Würde und Zuneigung und erkannte ihnen eine aktive Rolle in seiner Heilsmission zu.
In den Evangelien begegnen wir symbolträchtigen Figuren wie beispielsweise der Samariterin am Brunnen (Joh 4,5–42), der blutflüssigen Frau (Mk 5,25–34), Maria von Bethanien und Maria Magdalena. Jesus hört ihnen nicht nur zu oder heilt sie, sondern nimmt sie als Jüngerinnen auf und macht sie zu auserwählten Zeuginnen der Auferstehung, indem er ihnen die erste Verkündigung der christlichen Botschaft anvertraut. Ihre Teilnahme an der Osterbotschaft zeigt, dass Männer und Frauen vor Gott den gleichen Wert und die gleiche Würde haben und gleichermassen zu Glauben und Zeugnis fähig sind.
Auch im Alten Testament finden wir Frauen von grossem Mut und tiefem Glauben: Ruth, Ester, Debora, die Matriarchinnen Sara und Rebekka. Gott beruft sie zu wichtigen Aufgaben in der Heilsgeschichte: Sie führen, beschützen und prägen das Volk Israel und zeigen, dass ihre Würde und Berufung nicht von ihrer sozialen Rolle abhängt, sondern von ihrer persönlichen Beziehung zu Gott.
Heute lädt die katholische Kirche unter Berufung auf die Evangelien dazu ein, diese Figuren als Vorbilder des Glaubens, des Mutes und der christlichen Verantwortung wiederzuentdecken. Frauen, die Protagonistinnen in der Heilsgeschichte sind, sind aufgerufen, ihre tiefe Berufung in der Kirche und in der Gesellschaft voll zu leben und zum Aufbau gerechterer, friedlicherer und solidarischerer Gemeinschaften beizutragen.
Zusammenfassend zeigen uns die Bibel und die Tradition, dass Respekt, Würde und Anerkennung der weiblichen Berufung keine modernen Ideale sind, sondern zentrale Botschaften des Evangeliums, die den Weg jedes Gläubigen im Dienst am Nächsten erhellen.
Die SBK respektiert die besondere Rolle, die der Frau vom Herrn selbst anvertraut wurde, und misst den Stimmen der Frauen in der Kirche grosse Bedeutung bei. Aus diesem Grund hat sie den Frauenrat ins Leben gerufen, ein beratendes Gremium, dessen Aufgabe es ist, verschiedene Themen, die für das Leben der katholischen Kirche in der Schweiz und ganz allgemein für die Schweizer Gesellschaft relevant sind, aus der Perspektive der Erfahrungen von Frauen und aus weiblicher Sicht zu reflektieren und zu vertiefen.
