Allerseelen – 2. November

Seit den ersten Jahrhunderten beteten Christen für ihre Verstorbenen und feierten die Eucharistie zu ihrem Gedächtnis. Der heilige Abt Odilo von Cluny führte 998 den Gedächtnistag aller verstorbenen Gläubigen ein, der sich unter dem Einfluss der Reformbewegung von Cluny weiter ausbreitete und auch in Rom seit dem 14. Jh. gefeiert wird. Das heutige Messbuch bietet für diesen Tag drei Messformulare an, die alle darauf abzielen, das Ostergeheimnis und den Sieg Jesu Christi über Sünde und Tod hervorzuheben.

Jesus wurde Mensch, starb am Kreuz und ist auferstanden, um uns Anteil an der Freude der Auferstehung zu schenken. Darum betet der Priester während des Eucharistischen Hochgebets, im Augenblick des Gedächtnisses der Verstorbenen:
„Schenke ihnen, Herr, und allen, die in Christus ruhen, Glückseligkeit, Licht und Frieden.“

Für Christen ist der Tod nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Lebens, auf das wir uns schon lange vorbereiten. Das Gedenken an die Verstorbenen ist daher nicht nur ein blosses Erinnern an jene, die nicht mehr unter uns sind, sondern vielmehr eine „Brücke“ hin zu jener Wirklichkeit, die uns am Ende unseres Lebens erwartet.

Der heilige Franz von Assisi bezeichnete den Tod sogar als „Schwester“, ein Zeichen dafür, dass auch er ihn als Geheimnis verstand, das es zu erkennen und anzunehmen galt. Während unsere heutige Gesellschaft alles daransetzt, die Realität des Todes zu verdrängen und uns eine trügerische Unsterblichkeit vorzuspiegeln, lehrt uns Franziskus, den Tod anzuschauen, ihn zu verstehen und als Teil unseres Lebens zu akzeptieren.

„Herr, gib ihnen die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte ihnen. Lass sie ruhen in Frieden. Amen.“

Übersetzt aus dem Text vom Centro di liturgia pastorale