«Mission beendet?» – Was gelebte Mission der Kirche heute sagt

Rund 70 Missionarinnen und Missionare sowie weitere Engagierte aus der ganzen Schweiz haben sich vergangene Woche in Freiburg i. Ü. zum «Tag der Missionarinnen und Missionare» getroffen. Missio Schweiz, der Schweizer Zweig der Päpstlichen Missionswerke und die Dienststelle Fidei Donum der Schweizer Bischofskonferenz rückten die Erfahrungen von Menschen ins Zentrum, die über Jahre in fernen Ländern und Ortskirchen gelebt und gewirkt haben. Der Anlass war der Weitergabe dieses Erfahrungsschatzes gewidmet und eröffnete den Monat der Weltmission, der dieses Jahr zum 100. Mal begangen wird.

Missionserfahrung bleibt – und verändert den Blick auf Kirche

«Mission beendet?» Mit dieser Frage gab Markus Cott, Nationaldirektor von Missio Schweiz, die Richtung des Tages vor. Die Teilnehmenden blickten auf prägende Begegnungen und Einsätze zurück – nicht aus nostalgischem Interesse, sondern mit Blick auf die Gegenwart: Was bleibt von einer missionarischen Erfahrung? Was haben jene, die aufgebrochen sind, selbst empfangen? Und was bedeutet Mission heute?

Wie weit diese Erfahrungen reichen, zeigte eine Weltkarte, auf der die Teilnehmenden ihre früheren und heutigen Einsatzorte markierten. Die Punkte führten nach Lateinamerika, Asien und besonders zahlreich nach Afrika. Dahinter standen sehr unterschiedliche Lebenswege: Jahre als Laienmissionarin in Kongo-Kinshasa, ein halbes Jahrhundert als Ordensfrau in Papua-Neuguinea oder das Leben als Familie während eines kirchlichen Einsatzes in Taiwan.

Doch auch die Schweiz gehört heute auf diese Karte. Priester, Ordensleute und Seelsorgende aus Afrika, Asien und Lateinamerika wirken seit Jahren in Schweizer Pfarreien und Gemeinschaften. Mission verläuft schon lange nicht mehr von Europa aus in andere Weltregionen, sondern ist wesentlich Begegnung und Austausch unterschiedlichster Kulturen und Kirchen weltweit.

Raum schaffen, empfangen – und Kirche kritisch befragen

Drei ehemalige Nationaldirektoren von Missio Schweiz setzten unterschiedliche Akzente. Diakon Martin Brunner-Artho, Nationaldirektor von 2011–2021,knüpfte an Papst Franziskus an. Für ihn ist Mission das «Schaffen von Raum für das Wirken Gottes». Menschen könnten Glauben nicht machen oder andere dafür «gewinnen». Gott sei bereits da; Aufgabe der Kirche sei es, sein Wirken wahrzunehmen und ihm Raum zu geben.

P. Bernard Maillard OFMCap, Nationaldirektor für 10 Jahre ab 2001, rückte die Gegenseitigkeit ins Zentrum: «Weltkirche bedeutet nicht nur geben. Sie bedeutet ebenso empfangen.» Gerade Priester und Seelsorgende aus anderen Ländern, die heute in der Schweiz wirken, brächten eigene Erfahrungen und Formen gelebter Gemeinschaft mit. Andere Ortskirchen seien deshalb nicht nur Empfänger von Unterstützung, sondern Partner, von denen die Kirche in der Schweiz lernen könne.

Sein Vorgänger, P. Damian Weber CMM, Nationaldirektor in den 1990er Jahren, blickte kritisch auf die kirchlichen Strukturen. Mission, so Weber, sei kein Spezialauftrag einzelner Werke, sondern Aufgabe der ganzen Kirche. Während seiner Zeit als Nationaldirektor habe er immer wieder darum gerungen, mit den kirchlichen Verantwortlichen in der Schweiz über diesen gemeinsamen Auftrag ins Gespräch zu kommen. «Manchmal waren die dafür vorgesehenen Begegnungen erstaunlich kurz. Das konnte frustrierend sein», erinnert er sich.

Wie sehr Mission zugleich Empfangen bedeutet, verdeutlichte Pater Damian Weber mit seinen Erfahrungen aus 13 Jahren in Südafrika. Besonders geblieben sei ihm, wie Menschen, die unter der Apartheid gelitten hatten, ihn selbst stärkten. «Das Schönste war, sich von diesen Menschen getragen zu fühlen», sagte er. Bei seiner Rückkehr hätten ihm Menschen mitgegeben: «Sag ihnen, dass wir dankbar sind für den Glauben, den wir erhalten haben.»

Zum Abschluss des Tages am Fest des Heiligen Klaus von Flüe feierte der Abt von Saint-Maurice und Verantwortliche für Missio bei der Schweizer Bischofskonferenz, Alexandre Ineichen C.R.A., mit den Teilnehmenden die Eucharistie. Mission gehe über die traditionelle Vorstellung von «Mission in der Ferne» hinaus, sagte Ineichen: Sie geschehe «aus der Tiefe des Herzens und als Verkündigung Jesu Christi in der Welt von heute und jetzt».

In Pensier: Die Rückkehr – eine neue Etappe der Mission

Am Folgetag setzte Fidei Donum den Austausch in Pensier (FR) in kleinerem Kreis fort. Im Zentrum stand die Frage, wie missionarische Erfahrungen nach der Rückkehr in die Schweiz weiterwirken können. Genannt wurden sehr unterschiedliche Formen: das Zuhören und die Begleitung von isolierten oder verletzlichen Menschen, das Engagement in Pfarreien und kirchlichen Institutionen oder die Bereitschaft, das eigene Haus für andere zu öffnen. Die Rückkehr kann so selbst zu einer neuen Etappe der Mission werden.

Zur Sprache kamen auch Erfahrungen aus anderen Ortskirchen – etwa Basisgemeinden in Lateinamerika, Bibelgruppen, Pilgerwege oder gemeinsame Mahlzeiten in der Nachbarschaft. Sie lassen sich nicht einfach auf die Schweiz übertragen, können aber Anstösse geben, den mit Fidei Donum verbundenen Auftrag unter den heutigen Bedingungen der Schweizer Bistümer neu zu bedenken und den Erfahrungsschatz zurückgekehrter Missionarinnen und Missionare fruchtbar zu machen.

Die Treffen in Freiburg und Pensier machten zugleich sichtbar, wie sehr sich das Gesicht der Kirche verändert hat. Schweizerinnen und Schweizer haben über Jahrzehnte in Ortskirchen anderer Kontinente gelebt und gearbeitet; heute gestalten Menschen aus diesen Kirchen zunehmend das kirchliche Leben in der Schweiz mit. Mission durchbricht Mauern und Grenzen und eröffnet neue Horizonte.

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