Die Kirchenaustritte sind 2025 in der katholischen und in der reformierten Kirche zum zweiten Mal in Folge deutlich zurückgegangen. Dennoch verlieren beide Kirchen weiterhin Mitglieder. Gleichzeitig erreichen die katholischen Erwachsenentaufen einen neuen Höchststand auf niedrigem Niveau.
Am Freitag, 18. September 2026, hat das Schweizerische Pastoralsoziologische Institut (SPI) die neuen Zahlen der Schweizer Kirchenstatistik vorgestellt. Die Zahl der Kirchenaustritte ist 2025 zum zweiten Mal in Folge deutlich gesunken. Gleichzeitig hält der langfristige Rückgang der Mitgliederzahlen an. Taufen und kirchliche Trauungen nehmen weiter ab, während Erwachsenentaufen an Bedeutung und Sichtbarkeit gewinnen.
In der katholischen Kirche wurden 2025 insgesamt 27’878 Kirchenaustritte verzeichnet. Das sind knapp 9’000 weniger als im Vorjahr und fast 40’000 weniger als 2023. In der evangelisch-reformierten Kirche sank die Zahl der Austritte auf 26’243. Gegenüber 2024 entspricht dies einem Rückgang um gut 6’300 Austritte.
Bereits 2024 waren die Austrittszahlen nach dem aussergewöhnlich hohen Stand von 2023 deutlich zurückgegangen. Damals wurden in der römisch-katholischen Kirche 36’782 und in der evangelisch-reformierten Kirche 32’561 Austritte registriert. Die jüngsten Zahlen bestätigen somit eine weitere Entspannung, auch wenn die langfristige Entwicklung für beide Kirchen herausfordernd bleibt.
Mitgliederzahlen gehen weiter zurück
Trotz der rückläufigen Austrittszahlen werden die Kirchen in der Schweiz kleiner. Die katholische Kirche zählte 2025 noch 2,68 Millionen Mitglieder, gegenüber 2,73 Millionen im Jahr 2024. Die reformierte Kirche kam auf 1,77 Millionen Mitglieder, nach 1,78 Millionen im Vorjahr.
Zu dieser Entwicklung tragen neben den Kirchenaustritten auch demografische Veränderungen bei. Die Zahl der Austritte und Bestattungen liegt deutlich über jener der Taufen. Die Erneuerung der Mitgliedschaft von einer Generation zur nächsten kann die Verluste deshalb nicht mehr ausgleichen.
2025 wurden in der katholischen Kirche 12’809 Taufen gefeiert, gegenüber 13’548 im Vorjahr. In der reformierten Kirche sank die Zahl von 7’111 auf 6’261 Taufen. Auch die kirchlichen Trauungen gingen zurück. Die katholische Kirche verzeichnete 1’651, die reformierte Kirche 1’318 kirchliche Trauungen.
Erwachsenentaufen auf neuem Höchststand
Eine gegenläufige Entwicklung zeigt sich bei den katholischen Erwachsenentaufen. 2025 wurden in der Schweiz 339 Erwachsene katholisch getauft. Im Vorjahr waren es 261. Damit wurde ein neuer Höchststand erreicht, wenn auch zahlenmässig weiterhin auf niedrigem Niveau.
Über ihre statistische Bedeutung hinaus finden Erwachsenentaufen zunehmend Resonanz in Kirche und Öffentlichkeit. Die bewusste Entscheidung Erwachsener für den Glauben und die Zugehörigkeit zur Kirche schafft gemeinschaftliche Erfahrungen und macht Glaubenswege sichtbar. Besonders über soziale Medien werden solche Wege zum Glauben und zur Taufe vermehrt geteilt und diskutiert. Die Erfahrungen junger Erwachsener geben zugleich neue Impulse für die pastorale und kirchliche Entwicklung.
Bischof Beat Grögli, Bischof von St. Gallen und innerhalb der Schweizer Bischofskonferenz (SBK) für pastorale Fragen zuständig, hält fest:
- Was selbstverständlich war, bedarf immer mehr der Begründung. Begründungen sind eine notwendige Selbstvergewisserung. Sie schaffen eine zuverlässige Basis für den Glauben.
- Erwachsener Glaube spricht vor allem durch persönliches Zeugnis. Die Zeugnisse Jugendlicher und Erwachsener fordern uns heraus, sie hinterfragen unsere Praxis und setzen Impulse für Veränderungen.
- Kirche wird missionarischer und respektvoller, selbstbewusster und synodaler und dialogischer.
Die Daten der Kirchenstatistik wurden von Dr. Arnd Bünker, Leiter des Schweizerischen Pastoralsoziologischen Instituts, präsentiert. Neben Bischof Beat Grögli ordnete Dr. Stephan Jütte, Leiter Kommunikation der Evangelisch-reformierten Kirche Schweiz (EKS), die Ergebnisse aus kirchlicher Sicht ein. Weitere Informationen und detaillierte Daten mit kantonalen und diözesanen Aufschlüsselungen sind auf der Website https://www.kirchenstatistik.ch/ verfügbar.
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