Marsch für das Leben?

Am 19. September 2026 findet in Zürich der 16. Marsch fürs Läbe statt. Organisiert wird er von christlichen und katholischen Bewegungen sowie evangelischen Freikirchen. Die Schweizer Bischofskonferenz wird zwar nicht offiziell vertreten sein, begrüsst jedoch jede Initiative und jedes Engagement zugunsten des Lebens.

Im Sinne der Enzyklika Laudato si’ von Papst Franziskus (2015) kommt dem Schutz des Lebens eine grundlegende Bedeutung zu, und zwar in seinem umfassendsten Sinn: Jedes Leben – ob tierisch, pflanzlich oder menschlich – verdient Achtung, Wertschätzung und Schutz. Alle Lebensformen stehen miteinander in Beziehung, und das Überleben der Menschheit hängt wesentlich davon ab, wie wir die gesamte Schöpfung wahrnehmen, respektieren und bewahren.

Dennoch neigen wir selbst innerhalb der menschlichen Gemeinschaft dazu, bestimmten Leben weniger Wert beizumessen oder sie gar abzuwerten. Umso wichtiger ist es, jede Form menschlichen Lebens in ihrer Würde anzuerkennen – sei es das verletzliche Leben eines Neugeborenen oder das von Menschen, die weit entfernt leben und ausserhalb unseres unmittelbaren Blickfeldes stehen. Dazu gehören auch die Kinder in Gaza sowie die Tausenden Jugendlichen, Familien und Kinder, die Jahr für Jahr auf den Migrationsrouten an den Grenzen Europas ums Leben kommen. Ihr Recht auf Leben darf nicht übersehen werden.

Christinnen und Christen engagieren sich gemeinsam mit anderen Nichtregierungsorganisationen gegen die Todesstrafe und Folter sowie für Frieden und eine gewaltfreie Gesellschaft. Zum Einsatz für das Leben gehört ebenso das Eintreten für die Würde von Menschen mit Behinderung, älteren Menschen, Kranken oder Personen am Lebensende. Gerade diese besonders schutzbedürftigen Menschen laufen in unseren leistungsorientierten Gesellschaften Gefahr, übersehen, ausgegrenzt oder abgewertet zu werden. Auch in der Schweiz stellen Frauenmorde und die hohe Zahl von Suiziden, insbesondere unter älteren Menschen und Landwirten, Angriffe auf das Leben dar, die nicht in Vergessenheit geraten dürfen.

Die katholische Kirche verteidigt das Leben und lehnt Abtreibung ab, ohne dabei die Augen vor den schwierigen Umständen zu verschliessen, die zu einer solchen

Entscheidung führen können. Daher sollten wir uns fragen, wie wir Frauen in Not konkret beistehen und Menschen unterstützen können, die vor solch schwerwiegenden Entscheidungen stehen.

Verschiedene religiöse Vereinigungen bieten hierzu konkrete Hilfen an, insbesondere für Frauen in prekären Lebenssituationen (zum Beispiel: www.frauenbund.ch/unsere-werke/solidaritaetsfonds/der-solidaritaetsfonds oder www.sosfuturesmamans.org).

Auch die Kirche kann – neben vielen anderen Akteuren – Unterstützung anbieten. Diese seelsorgliche Begleitung gehört zum Auftrag der Seelsorge und Pastoral. Sie richtet sich an Menschen, die dies wünschen, und möchte Paaren oder Einzelpersonen, die sich mit dem Gefühl der Unfähigkeit oder Unmöglichkeit konfrontiert sehen, ein Kind zu bekommen, einen geschützten Raum des Zuhörens, des Austauschs und der Begleitung eröffnen.

Das Leben zu unterstützen bedeutet schliesslich auch, konkret für den Mitmenschen einzutreten, wie es das Gleichnis vom barmherzigen Samariter eindrücklich vor Augen führt. Dies ist Aufgabe jeder Bürgerin und jedes Bürgers. Dazu gehört auch die Unterstützung politischer Massnahmen, die darauf abzielen, jene sozialen und strukturellen Voraussetzungen zu schaffen und zu stärken, die es ermöglichen, ein Kind aufzunehmen und ihm ein Leben in Würde zu ermöglichen. Dies erfordert ein aktives Engagement für den Zugang zu Wohnraum, Nahrung, Gesundheitsversorgung sowie zu Bildung und Ausbildung für alle Menschen. Nur so kann gesellschaftliche Teilhabe gelingen – unabhängig von Gesundheitszustand, Herkunft oder rechtlichem Status.