Orientierung der SBK zu Bevölkerungsentwicklung, Migration und Gemeinwohl

Im Rahmen der aktuellen Debatte zur Initiative «Keine 10‑Millionen‑Schweiz! (Nachhaltigkeitsinitiative)», über die am 14. Juni 2026 abgestimmt wird, ruft die Schweizer Bischofskonferenz zentrale Grundwerte der katholischen Soziallehre in Erinnerung, die das Gemeinwohl und ein gutes Zusammenleben stärken.

Wenn Grundwerte des Zusammenlebens in der öffentlichen Debatte berührt sind, kommen Kriterien der katholischen Soziallehre zum Tragen, die der Gewissensbildung dienen.

Papst Franziskus rief insbesondere in der Enzyklika «Fratelli tutti» dazu auf, gesellschaftliche Herausforderungen im Geist der Solidarität und der sozialen Freundschaft anzugehen und eine Kultur der Begegnung zu fördern.

Der Kern dieser grundsätzlichen Haltung ist die unantastbare Würde jedes Menschen. Politische und gesellschaftliche Entscheidungen sollen Menschen als Personen achten, besonders jene, die verletzlich sind, auf Schutz angewiesen sind oder leicht pauschal be- oder verurteilt werden.

Zum Gemeinwohl gehören bezahlbarer Wohnraum, tragfähige Infrastrukturen, der Zugang zur Bildung, Gesundheitsversorgung, Sicherheit und soziale Kohäsion. Lösungen zu den gesellschaftlichen Herausforderungen müssen wirksam, respektvoll, und verhältnismässig sein. Ebenso müssen ihre Nebenfolgen mitbedacht werden.

Solidarität verlangt einen fairen und menschenwürdigen Umgang mit Menschen in schwierigen Lebenslagen sowie eine Debattenkultur, die Ängste ernst nimmt, ohne Ausgrenzung zu fördern bzw. zu verursachen. Ebenso ist der Schutz von Ehe und Familie ein hohes Gut; unnötige Trennungen von Familien widersprechen dem Geist sozialer Verantwortung. Das Evangelium spornt uns an, dafür auch die eigene Komfortzone zu verlassen.

In einer vernetzten Welt braucht es Rechtsstaatlichkeit, Verlässlichkeit und eine verantwortliche internationale Zusammenarbeit. Nachhaltigkeit umfasst gleichzeitig ökologische, soziale und wirtschaftliche Dimensionen und lässt sich nicht auf einen einzigen Massstab reduzieren.

Die Schweizer Bischofskonferenz ermutigt alle Personen, sich zu informieren, sorgfältig abzuwägen und in Respekt miteinander im Gespräch zu bleiben. Der christliche Glaube ruft dazu auf, Brücken zu bauen und die Hoffnung auf ein gerechtes und friedliches Zusammenleben zu stärken.