Rund 100 Teilnehmende haben in Bern die Möglichkeiten und Grenzen Künstlicher Intelligenz unmittelbar erprobt. Der interaktive Abend der Schweizer Bischofskonferenz und der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz zeigte: KI kann Texte, Bilder und Videos erzeugen, doch die Verantwortung für deren Einordnung und Verwendung bleibt beim Menschen.
Nicht nur zuhören, sondern selbst ausprobieren: Unter dem Titel «Babel oder Wahrheit? Wie KI funktioniert» setzten sich rund 100 Teilnehmende in Bern praktisch mit Künstlicher Intelligenz auseinander. Über den eigenen Smartphones beteiligten sie sich direkt am Abend, formulierten eigene Prompts, verglichen die daraus entstandenen Antworten und prüften Bilder und Videos auf Echtheit und Manipulation.
In seiner Begrüssung betonte Mgr. Josef Stübi, Medienbischof der Schweizer Bischofskonferenz, wie wichtig ein wacher und verantwortungsvoller Umgang mit den neuen Technologien ist. Die Kirche dürfe sich der Entwicklung nicht verschliessen, müsse aber immer wieder danach fragen, ob sie der Würde des Menschen und dem Gemeinwohl dient.
Mit Mario Galgano (Vatican News) konnte die Veranstaltung einen ausgewiesenen Kenner der kirchlichen Medienwelt und der vatikanischen Auseinandersetzung mit Künstlicher Intelligenz als Hauptredner und Moderator gewinnen. Er führte durch den Abend, gab die fachlichen Impulse und bezog die Teilnehmenden immer wieder unmittelbar in die Auseinandersetzung ein. Seine zentrale Botschaft: KI ist weder Heilsbringer noch Bedrohung an sich, sondern ein Werkzeug des Menschen. Sie kann unterstützen, ordnen und neue Möglichkeiten eröffnen. Urteilsvermögen, Gewissen und Verantwortung kann sie dem Menschen jedoch nicht abnehmen.
Wie stark die Ergebnisse von KI durch menschliche Vorgaben geprägt werden, erlebten die Teilnehmenden unmittelbar. Sie formulierten selbst Prompts und beobachteten, wie bereits kleine Veränderungen bei Tonfall, Kontext und Zielsetzung zu völlig unterschiedlichen Texten führten. Gerade bei kirchlichen und religiösen Inhalten wurde deutlich, wie schnell KI in Floskeln, Kitsch oder moralisierende Sprache abgleiten kann.
Auch die eigene Wahrnehmung wurde auf die Probe gestellt: Welche Bilder sind echt, welche künstlich erzeugt? Welche Videos dokumentieren ein tatsächliches Ereignis und welche legen einer bekannten Persönlichkeit Aussagen in den Mund, die sie nie gemacht hat? Die Gegenüberstellung realer und manipulierter Inhalte zeigte, wie schwierig die Unterscheidung inzwischen geworden ist. Entscheidend bleiben deshalb die Prüfung der Quelle, der Abgleich mit verlässlichen Medien und ein kritischer Blick auf den Kontext.
Mit Prof. Rachid Guerraoui von der EPF Lausanne war ein weiterer renommierter Experte zu Gast. Er ordnete die aktuellen Entwicklungen wissenschaftlich ein und erläuterte, was KI tatsächlich ist, wie sie sich historisch entwickelt hat und wo die Grenzen ihrer Kontrollierbarkeit liegen. Dabei rückte eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Nicht nur, was KI künftig kann, ist entscheidend, sondern was der Mensch ihr übertragen will.
Der Abend machte Künstliche Intelligenz konkret erfahrbar, mit überraschenden Resultaten, überzeugenden Fälschungen und angeregten Reaktionen aus dem Publikum. Im Schlusswort hielt Roland Loos, Präsident der RKZ, fest: Der verantwortungsvolle Umgang mit KI betrifft nicht nur Fachleute, sondern uns alle. Zwischen Babel und Wahrheit braucht es digitale Mündigkeit, ethische Orientierung und Menschen, die bereit sind, selbst zu prüfen und Verantwortung zu übernehmen.
