Geschichte

Anfang und Ursprung der SBK

Die Schweizer Bischofskonferenz wurde 1863 als die weltweit erste Versammlung der Bischöfe eines Landes gegründet, die regelmässig zusammentrifft, rechtlich strukturiert ist und sich mit kirchlichen Leitungsfunktionen befasst. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren es vor allem die höchst politischen Zeitfragen des Kulturkampfes*, die an der Kirche nicht spurlos vorbeigingen. Der Sonderbundskrieg** lag erst wenige Jahre zurück und der Stand der Katholiken war nach der Niederlage der katholischen Kantone alles andere als einfach. Im neuen, progressiven und liberalen Bundesstaat von 1848 waren sie begreiflicherweise weniger grosszügig bedacht worden als ihre protestantischen, liberalen Mitbürger.

Von Anfang an widmete sich die Bischofskonferenz daher konkreten Fragen wie verbesserten Bildungschancen und -möglichkeiten für Katholiken, Schutz von Ehe und Familie, Erhalt von landesweiten Feiertagen und der Verteidigung kirchlicher Rechte bei Beerdigungen und Trauungen. Daneben standen die Anforderungen der Zeit an eine flexible und zeitgemässe Pastoral, die Unterstützung und Ausbildung junger Seelsorger und die staatsrechtliche Sicherheit der Kirche im Vordergrund.

Die Fragen sind zwischenzeitlich andere, doch die Schweizer Bischofskonferenz zeigt sich nach wie vor in einer modernen, sich stetig wandelnden Gesellschaft präsent und engagiert. Nach mehreren Reformen innerhalb der SBK, den überarbeiteten Reglementen von 1863, 1961 und schliesslich 1965 und vielen guten Impulsen hin zu höherer Effizienz und weniger Bürokratie ist die Bischofskonferenz heute ein selbstständiges Leitungsgremium mit gemeinrechtlichem Aufbau, das innerhalb der Kirche auf nationaler Ebene mit kollegialen und hierarchischen Organen zu einer eigenen Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung befugt ist. Dank solider und professioneller Medienarbeit ist sie ein transparentes Instrument im Dienste der Schweizer Kirche und damit aller Katholiken unseres Landes.

*Kulturkampf (1871-1883): Durch Bismarck eingeleitete Bekämpfung des Einflusses, welcher für die Einheit von Deutschland durch die katholische Kirche in den deutschen Staaten für gefährlich gehalten wurde. Der Kulturkampf sollte dann auch Auswirkungen auf die religiöse Politik in der Schweiz und in Österreich haben.

**Sonderbund: Bündnis, welches am 11. Dezember 1845 durch die Schweizer Kantone Uri, Schwyz, Unterwalden, Luzern, Zug, Freiburg und Wallis gebildet wurde. Diese Kantone, katholisch und konservativ, wollten ihre Souveränität angesichts der Machenschaften der Radikalen bewahren, die ihnen eine antiklerikale Politik aufdrängen wollten. Der Bundestag (Diät) (wo die Radikalen mehrheitlich waren) forderte sodann die Auflösung des Sonderbunds und die Ausweisung der Jesuiten (20. Juli 1847), was zu einem dreiwöchigen Krieg führte.

Quelle: Schweizerische Kirchenzeitung (SKZ) 48, 1. Dezember 1983