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SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | Mediencommuniqué | 01.08.2015

Botschaft Abt Joseph Roduit - 1. August 2015

Die christlichen Wurzeln des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in der Schweiz

Zum Schweizer Bundesfeiertag am 1. August finden es die Schweizer Bischöfe passend, in ihrer Botschaft an die Gläubigen über die christlichen Wurzeln der Schweiz zu sprechen. Die 1500-Jahr-Feier der Abtei von Saint-Maurice gibt neben anderem Gelegenheit dazu. Es ist die Geschichte einer langen Treue.

Die christlichen Wurzeln der Schweiz

Aus dem Nahen Osten kommend, verbreitete sich das Christentum in unseren Gegenden den römischen Strassen entlang. Trotz Verfolgungen hörten die Christen nicht auf, das Evangelium zu predigen. Anders als erwartet, verlieh das Beispiel der Märtyrer den Bekehrten Mut. Unter diesem Blickwinkel versteht man, dass das Zeugnis der Thebäischen Legion unter ihrem Hauptmann Mauritius auf die Menschen prägend wirkte.

Damals war bei uns wie in vielen anderen Ländern „das Blut der Märtyrer der Samen der Christen“ (Tertullian). Die Verehrung mehrerer Heiliger und Heiligen geht auf den Kult für ägyptische Blutzeugen des zu Ende gehenden dritten Jahrhunderts zurück, so für Victor, Felix, Regula, Verena … Auch wenn oft die entstehenden Legenden den Boden der historischen Tatsachen verlassen, hat ihr Zeugnis für die Verwurzelung des christlichen Glaubens in unserem Land gesorgt. Das Christentum geht nicht mit dem römischen Reich unter, im Gegenteil, die Kirche wird die Barbaren bekehren!

Die Suche nach Konsens und Frieden

Migrationswellen und Bevölkerungsverschiebungen ergaben im Laufe der Jahrhunderte die aktuellen geografischen und sprachlichen Grenzen unseres Landes.

Die heutige Schweiz als unabhängiges Land ist in den Zeiträumen entstanden, als die Kathedralen gebaut und die ersten Universitäten geschaffen wurden. Die Suche nach Unabhängigkeit, Freiheit und Einheit in der Vielfalt trug entscheidend dazu bei, den Nachstellungen fremder Mächte zu entgehen.

Mit sukzessiven Angliederungen wurde die Schweiz aufgebaut, stärker mit Hilfe von Bündnissen, Friedensallianzen und Treueeiden zwischen den Kantonen als durch Kriege. Im gegenseitigen Respekt für die verschiedenen Kulturen, Regionen und Kantone widerstand man den Verlockungen, die Schweiz geografisch oder politisch zu teilen. Ein schönes Beispiel hierfür gibt uns im 15. Jahrhundert der heilige Niklaus von Flüe (1417-1487). Er lehrt uns, Feindseligkeiten im Gespräch und im Frieden zu überwinden. „Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried, und Fried mag nicht zerstört werden, Unfried aber würde zerstört. Darum sollt Ihr schauen, dass Ihr auf Fried abstellt …“

Die Rolle des christlichen Glaubens

Die Schweiz entstand nicht an einem einzigen Tag: Die ersten Kantone vereinigten sich 1291, die letzten folgten 1815, vor erst zweihundert Jahren also, ohne den Nachzügler, den 1979 aufgenommenen Kanton Jura, zu vergessen!

Die Religion ist ein wichtiger Vektor der Geschichte, auf der Suche nach dem Guten ebenso wie leider manchmal auch im Hervorbringen des Schlechten. Obwohl die Schweiz tragische Religionskriege gekannt hat, ist doch die entscheidende positive Rolle der Kirchen anzuerkennen. Die Kirchen bewiesen Ausdauer in der Verkündigung des Evangeliums. Heute sind die Religionskriege glücklicherweise vorbei – ohne vergessen zu sein. Es gibt einen unbestreitbaren Willen zur Ökumene, für uns Katholiken vor allem seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil und neuerdings gestärkt durch Papst Franziskus, der uns darin ermutigt.

Das soziale Leben

Die Gewohnheit, immer wieder den Konsens zu suchen, bringt einen aufbauenden Geist der Zusammenarbeit hervor. Er anerkennt die Verschiedenheit und sucht die wechselseitige Ergänzung. Das Vereinsleben in den Gemeinden vor Ort hat einen Geist der Solidarität geschaffen, der selbstverständlich geworden ist.

Die Berücksichtigung der Minderheiten und die Aufmerksamkeit gegenüber den Ärmsten gehören zum Geist der Schweiz. Wie heisst es doch in der Bundesverfassung: „Die Stärke des Volkes misst sich am Wohl der Schwachen.“

Ein weltoffenes Land

Die Schweiz hat es verstanden, den Baum des Wohlstands wachsen zu lassen, ohne dass er von den Krankheiten der Nationalismen und des Kommunismus angesteckt wurde. Die christlichen Wurzeln, die Pflege der Solidarität, das Stutzen der zu weit ausgreifenden Äste haben dazu geführt, dass der soziale Aufbau Früchte trägt.

Was die Schweiz für sich selbst getan hat, das kann sie für andere tun, indem sie Ländern und Weltgegenden hilft, eine gesunde Entwicklung zu erreichen, die Schrecken des Krieges anzuprangern und nach Frieden zu streben. Ist sie doch die Schweiz von Henri Dunant (1828-1910) und folglich das Land des Roten Kreuzes!

Die Schweiz hat eine wichtige Aufgabe in unserer Welt. Ihre politische Neutralität muss vom Geist internationaler Solidarität begleitet sein, während sie gleichzeitig die Falle vermeidet, die darin besteht, dem Profit um jeden Preis hinterherzurennen.

Wie ist diesem Ideal nachzukommen?

Wenn die Vergangenheit Garantin der Zukunft ist, wird die Schweiz noch schöne Zeiten vor sich haben!

Trotz der Veränderungen, die früher Jahrhundert für Jahrhundert und heute Tag für Tag geschehen, gibt es grundlegende Werte zu pflegen und zu bewahren.

Man spricht heute oft davon, dass Werte verloren gehen. Um welche Werte handelt es sich? Sie lassen sich nicht in Begriffen wie Wohlstand, Wachstum oder Gewinn zusammenfassen! Die Schweiz muss wachsam bleiben.

Sie ist es sich schuldig, Egoismus eine fundamentale Solidarität entgegenzusetzen. Gerechtigkeit und Solidarität lassen sich nicht trennen. Die Ausbeutung der Armen durch Abbau von Rohstoffen in den armen Ländern darf sich nicht mehr lohnen. Ein wichtiger Teil des Handels mit Nahrungsmitteln der ausgebeuteten Länder wird über Schweizer Büros abgewickelt! Wir dürfen uns nicht an den Grundnahrungsmitteln der armen Länder bereichern!

Die Schweiz ist beispielhaft in der Aufnahme von Fremden: jeder vierte Einwohner ist Ausländer, jede vierte Einwohnerin ist Ausländerin. Das entbindet die Schweiz nicht davon, sich weiter anzustrengen, damit sie ein aufnahmebereites Land bleibt. Derzeit tragen viele Migrantinnen und Migranten zu den industriellen und wirtschaftlichen Kompetenzen und Ressourcen unseres Landes bei.

Der Frieden kann nur existieren, wenn wir dauernd am Recht, am Teilen und am Respekt arbeiten. Weit mehr als auf Toleranz ist der Andere, wer immer es ist, auf Respekt angewiesen. Das gilt in kultureller wie in religiöser Hinsicht. Unsere vorbildliche Art, Vielfalt zu respektieren, kann jenen Beispiel sein, die allen eine einzige Denkweise, ja sogar eine einzige Religion auferlegen wollen.

Die Verschiedenheit ist ein Reichtum, der jeden mit einem Mehr an Werten bereichert. Auch der Respekt vor der Natur muss uns beschäftigen: Er umfasst auch den Respekt vor dem menschlichen Leben, von der Zeugung bis zum natürlichen Tod. Er bedeutet Wertschätzung jeder Person.

Ist dies nicht eine Antwort auf die Fragen, die das Evangelium in der Szene des Jüngsten Gerichts stellt: „Ich war hungrig … ich war durstig … ich war nackt … fremd … krank … im Gefängnis …Habt ihr mir zu essen gegeben, habt ihr mir Kleidung gegeben, habt ihr mich aufgenommen, habt ihr mich besucht?“ (siehe Mt 25, 31-46)

Sich nicht unseres katholischen Glaubens schämen

Wir müssen uns nicht der katholischen und römischen Kirche schämen, wenn wir auch unser Unrecht, unsere Fehler und Sünden anerkennen. Die Schweizer Bischofskonferenz ruft den Gläubigen regelmässig die päpstlichen Lehren und die Prinzipien der Soziallehre der Kirche in Erinnerung. Auf der Grundlage der praktischen Arbeit von Caritas, Missio, Fastenopfer und manch anderer Solidaritätsbewegung setzt die Kirche in der Schweiz ihr Werk der Evangelisierung auf dynamische Weise fort. Der Auftrag jedes Christen und jeder Christin zur Evangelisierung bleibt.

Die Bischofskonferenz empfiehlt, sich an diesen Bewegungen zu beteiligen, die den Auftrag der Hoffnung, der Liebe und des Teilens in den Herzen der Schweizerinnen und Schweizer bewahren. Sie dankt den Gläubigen und ermutigt sie, die so erfreuliche Geschichte der Evangelisierung bei uns und in der Welt fortzusetzen.

Dank und Ermutigung durch die Bischöfe

Auch richten die Bischöfe Dank und Ermutigung an alle, die treu am Leben ihrer Pfarreigemeinden teilnehmen, wo man sich gegenseitig im Glaubensleben stützt, von der Katechese bis zu den Sakramenten. Das Engagement der Katholikinnen und Katholiken in Familie und Gesellschaft kommt der gesamten schweizerischen Gesellschaft zu Gute. Das Leben der Kirche ist wesentlich gemeinschaftlich: Man kann nicht für sich allein Christ oder Christin sein. Der Glaube macht aus jedem von uns Brüder und Schwestern für die anderen.

Zudem werden jene, die zögern, den Weg des katholischen Glaubens weiter zu beschreiten, durch unsere Teilnahme an den sonntäglichen und anderen religiösen Feiern sowie an den Treffen in Pfarreien und Regionen ermutigt. Neue Generationen von Christinnen und Christen brauchen das Zeugnis der Lebens- und Glaubensfreude der älteren Generation.

Die Bischöfe, Priester und Ordensleute unseres Landes freuen sich, mit dieser Botschaft zum 1. August allen Katholikinnen und Katholiken für ihre Treue und für ihren Beitrag zum Aufbau einer grosszügigen, aufnahmebereiten und solidarischen Schweiz zu danken.

 

St-Maurice, im Juli 2015

Abt Joseph Roduit, im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz