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SBK-CES-CVS Schweizer Bischofskonferenz | 21.05.2017

Vernissage des Schweizer Pavillons an der Reformations-Weltausstellung in Wittenberg


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Wort der Bischöfe zum Krankensonntag 2017 (5. März 2017)


19.01.2017

Abschlusscommuniqué des 17. Internationalen Bischofstreffens für Solidarität mit der Kirche im Heiligen Land (14.-19. Januar 2017)


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Mitglied der SBK Mitglied der SBK | Mediencommuniqué | 24.02.2012

Botschaft der Schweizer Bischofskonferenz zum Tag der Kranken

Botschaft zum Tag der Kranken, 4. März 2012

Liebe Kranke, liebe Familien,
Liebe Mitglieder des Pflegepersonals und der Krankenseelsorge,

Am ersten Sonntag im März widmet die Schweiz den Kranken und ihren Betreuern und Betreuerinnen besondere Aufmerksamkeit. Eine einfache Symbolik kann uns dabei helfen: die Symbolik der Hand. Die Vorsehung hat ihre Sache gut gemacht, indem sie uns eine Hand "voller Finger" schenkte!

Die morphologische Konfiguration unseres Körpers hilft uns, viele Aspekte der menschlichen Psychologie, des täglichen Lebens und des christlichen Glaubens zu verstehen.

Der kleine Finger, derjenige des Hörens

Sagt man nicht oft: "Der kleine Finger hat es mir gesagt!" Der kleine Finger ist der Finger des Hörens, und es kommt nicht von ungefähr, dass man ihn auf Französisch "auriculaire", d.h. zum Ohr gehörend, nennt. So viele Sachen kommen jeden Tag über die Ohren zu uns. Nebst den täglichen Gesprächen gibt es noch die verschiedenen Nachrichten, sei es aus dem Radio, sei es aus dem Fernsehen. Aber was bleibt am Schluss übrig? Wenn wir ein schmerzliches Ereignis hören, dürfen wir dabei nicht alle unsere glücklichen Ereignisse vergessen! Und wie viele Menschen, die ohne grossen Lärm leben, bereichern ihre Umgebung.

Für uns Christen und Christinnen ist es wichtig, Hörer der Frohen Botschaft zu sein, Hörer einer Botschaft, die unser Leben erhellt und uns zum guten Handeln antreibt. Der kranke Mensch, mehr als alle andern kann sich Zeit nehmen und so entdecken, welches Wort sein Leben erhellt, sein Inneres berührt. Oftmals ist sogar er es, der denjenigen hilft, die ihn umsorgen.

Der Ringfinger, der Finger des Eherings

Der Ringfinger ist das Zeichen unserer Versprechen, unserer Beziehungen. Man kann ihn den Finger unserer Affektivität nennen. Jeder von uns braucht Beziehungen und Zuneigung. Liebesbeziehungen, Freundschaftsbeziehungen. "An dem Tag, an dem jemand Ihnen sagt 'Ich liebe dich', sagte ein Dichter, an diesem Tag ist strahlendes Wetter!"

Wie der Kranke, wie der Invalide, so hat jeder Mensch es nötig, sich geliebt zu fühlen. Wie viele Gesten, wie viele Worte der Liebe finden wir täglich für unsere Mitmenschen?

Sogar ein Kranker, der scheinbar nicht mehr versteht, was man ihm sagt, schätzt eine Haltung des Wohlwollens und der Liebe. Auch wenn es nur der Ton der Stimme der ihn umgebenden Menschen ist. Die Patienten selbst lehren uns, leiser zu sprechen und nur das Wichtigste zu sagen. Die Krankheit, das Alter können auch Zeiten der Versöhnung sein.

Der Mittelfinger, der Grösste, der uns die grösste Zeit über beschäftigt

Für denjenigen, der leidet, ist die Zeit immer lang. In einer Zeit, wo alles sehr schnell gehen muss, wird die Zeitspanne einer Krankheit oft zur Bedenkzeit, zur Neuüberprüfung unseres Lebens. Als der heilige Augustinus über die schnell vergehende Zeit nachdachte, sagte er: "Es gibt nicht nur die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Es gibt das Heute der Vergangenheit, das ist die Erinnerung. Es gibt das Heute der Zukunft, das ist die Hoffnung, und es gibt das Heute der Gegenwart, das ist die Zufriedenheit oder die Gnade."

Er lädt uns somit ein, in unserem Leben jedes "Heute" als Geschenk zu empfangen. Es ist wichtig, über das Vergangene nachzudenken und die besten Erinnerungen zu bewahren. Es gilt auch, gewisse Ereignisse in den Schatten zu stellen. Die Vergangenheit wird erst zur Vergangenheit, wenn sie überwunden ist.

Aber es gibt eine Zukunft zu erhoffen! Die Hoffnung ist eine Tugend, die uns die Zukunft bis in die Ewigkeit hinein eröffnet. Ist es nicht ein Zeichen der Hoffnung, wenn wir glauben, dass wir eines Tages diejenigen wiedersehen, die uns geliebt haben? So wird jeder Augenblick zu einer Zeit der Gnade. Und man muss die Gnade ergreifen, wenn sie kommt!

Der Zeigefinger

Der Zeigefinger lädt uns ein zu schauen, in welche Richtung unser Leben verläuft. Wichtiger als die Ereignisse einfach hinzunehmen, ist es, nach ihrem Sinn zu suchen. Der christliche Glaube fordert uns immer wieder neu auf, uns zu fragen, wie wir uns orientieren wollen.

Wenn wir vor dem Handeln, vor dem Reden zum Heiligen Geist beten, vermeiden wir oft, in die falsche Richtung aufzubrechen. "Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit!" wiederholt Psalm 56. Den Sinn dessen suchen, was wir erleben, ist eine Art und Weise, sein Leben neu zu lesen und so zu entdecken, was Gott von uns erwartet.

All diejenigen, welche die Kranken umsorgen, stellen sich oft die Frage nach dem Sinn des Leidens. Das Leid ist eine Prüfung, für sie ebenso wie für die Kranken selbst. Manchmal gibt es keine Antwort und es geht nur darum, dieses Geheimnis im Glauben an Jesus Christus anzunehmen, denn er ist nicht gekommen, das Leiden zu beseitigen, sondern es mit seinem Dasein zu füllen. Der gläubige Mensch kann die Erfahrung machen, dass Jesus mit ihm und in ihm leidet. Das Gebet, das Jesus am Kreuz sprach, war ein Akt der Hingabe im Gottvertrauen: "Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist." Ein Gebet, das man gut jeden Abend vor dem Einschlafen wiederholen kann.

Der Daumen der Spiritualität

Mit dem Daumen kann man alles anfassen. Im materiellen Sinn heisst dies ergreifen; psychologisch: sich selbst an die Hand nehmen, spirituell: begreifen, was man erlebt. Das Gebet ist der Augenblick, in dem man erfasst, was man durchlebt, und es Gott anvertraut. Gott im Gebet von dem zu erzählen, was uns beschäftigt, ist absolut keine Zerstreuung. Alles, was mein Leben ausmacht, kann zum Gebet werden.

Das Gebet ist vor allem der Moment, Gott unser Leben darzulegen, Ihn um Verzeihung zu bitten für das Böse, das wir getan haben, Ihm zu danken für alles Gute in unserem Leben und Ihm vertrauensvoll zu sagen: "Hilf mir bitte!" Dann stellt sich Jesus an unsere Seite, um die Last unseres Leidens mit uns zu tragen. Mit Ihm wird die Last leichter.

Dieses Gleichnis der Hand hat uns erlaubt, eine einfache Spiritualität zu entdecken und... aus dem Effeff zu beherrschen!

Durch diese Botschaft möchte die Schweizer Bischofskonferenz allen Kranken, ihren Familien und all jenen, die sie umsorgen, ihre Ermutigung ausdrücken. Sie soll eine Einladung sein, uns gegenseitig durch das Gebet zu stärken, durch ein Gebet des Zuhörens, der Liebe, der geschenkten Zeit und der Suche nach dem Sinn des Lebens. Mit anderen Worten, es geht um eine christliche Spiritualität.

+ Joseph Roduit, Abt von Saint-Maurice