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Wort der Bischöfe zum Krankensonntag 2017 (5. März 2017)


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Abschlusscommuniqué des 17. Internationalen Bischofstreffens für Solidarität mit der Kirche im Heiligen Land (14.-19. Januar 2017)


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Gewaltfreiheit: Stil einer Politik für den Frieden


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Mitglied der SBK Mitglied der SBK | Mediencommuniqué | 20.02.2007

Botschaft des Bischofs von Sitten, Msgr. Norbert Brunner zum Krankensonntag 04. März 2007

Warum gerade ich? Zeugen der Liebe Gottes sein.

Liebe alte, kranke, behinderte und einsame

Brüder und Schwestern

Wieder feiern wir den Sonntag der Kranken, an dem wir uns besonders Ihrer erinnern, Sie mit einer besonderen Aufmerksamkeit umgeben, für Sie beten, aber auch um Ihr Gebet bitten. Es ist gut, dass wir das tun. Gerade in der heutigen Zeit vergessen wir nur zu leicht, dass alle Menschen zur Gemeinschaft einer Familie, eines Dorfes, eines Landes gehören, ob sie gesund oder krank, jung oder alt, froh oder traurig, mit anderen zusammen oder einsam leben. Genügt dazu jedoch ein einziger Tag im Jahr?

Diese Frage müssen wir mit immer grösserer Bestimmtheit verneinen. Warum? Weil in erster Linie Sie und Ihre engsten Angehörigen und Freunde sich Fragen über Ihre Krankheit, Ihre Behinderung, Ihre Einsamkeit oder Ihre Gebrechen nicht nur am Krankensonntag stellen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Ihre Krankheit längere Zeit dauert, wenn Ihre Krankheit sie hindert, Ihre Arbeit im Beruf oder Ihr Zusammenleben in der Familie zu erfüllen; wenn eine Aussicht auf Genesung trotz aller Pflege in weite Ferne gerückt ist.

Vielleicht stellt sich gerade in diesen Situationen die Frage: "Kranksein: Warum gerade ich?" Sie stellen sich diese Frage auch bei einer Krankheit, die sie unerwartet und plötzlich trifft; oder dann, wenn es sich um eine schwere, ja unheilbare Krankheit handelt. Sie finden trotz allem Suchen und Grübeln, allem Fragen und Diskutieren keine Antwort. Weil es auf diese Frage keine Antwort gibt. Sogar der Hinweis darauf, dass die Krankheit zum Leben der Menschen gehört, hilft nicht weiter. Denn bei Krankheit und Behinderung ist jeder Einzelne ganz persönlich betroffen; er steht letztlich allein vor seinem Leiden, auch wenn Eltern oder Kinder, Angehörige oder Freunde Anteil nehmen und helfend zur Seite stehen.

Eine andere Frage, die sich manchmal auch bohrend stellt, findet jedoch eine Antwort: Bin ich schuld an meiner Krankheit? Habe ich vielleicht sogar etwas falsch gemacht, gesündigt? Ist meine Krankheit eine Strafe Gottes? Wir können und müssen auf diese Frage mit einem klaren Nein antworten. Erinnern wir uns der Begegnung Jesu mit dem blinden Mann (Joh 9, 1-7). Die Jünger fragen Jesus: „Rabbi, hat er selbst gesündigt, oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?“ Die Antwort Jesu ist eindeutig: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern Gottes Werke sollen an ihm offenbar werden.“

Wie sollen wir das verstehen? Vielleicht gar so, dass Gott die Krankheit der Menschen braucht, um seine Werke an uns zu zeigen? Diese Erklärung ist ganz bestimmt falsch. Gott will weder Leid noch Krankheit, er will weder Einsamkeit noch Behinderung, er will weder Gebrechen noch Schmerzen. Weil aber diese Situationen zum menschlichen Leben gehören, will Gott diesen Menschen in besonderer Weise seine unendliche Liebe zeigen und bezeugen. Ja, Er will nichts sehnlicher, als dass seine Liebe auch heilend und helfend, das heisst erlösend bei jedem Menschen wirkt. Das ist in gewissem Sinne der Auftrag seines ganzen Lebens; dazu ist er in die Welt ge­kommen.

Wie antworten wir Menschen auf dieses Angebot der göttlichen Liebe? Ist es nicht so, dass wir in unserem täglichen Leben mit all seinen Anforderungen und Tätigkeiten nicht aufmerksam genug sind? Und dass wir so manchmal an der Liebe Gottes vorbeigehen? Ähnlich wie auf einer Wanderung, wo wir in manchen schwierigen Situationen die ausgestreckte Hand eines Mitwanderers nicht sehen oder nicht ergreifen. Wenn wir nicht bewusst und gewollt Augenblicke in unserem Leben suchen, wo wir uns mit dem Angebot der Liebe Gottes aus­einandersetzen, kann es geschehen, dass wir daran vor­beigehen.

Sie fragen mich vielleicht: Was hat das mit meiner Krankheit zu tun? Vielleicht sind Sie in Ihrer Krankheit oder in Ihrer Behinderung, in Ihrem Leiden oder Ihrem Gebrechen, uns anderen zum Vorbild gegeben. Sie wurden gezwungen, einen Halt einzulegen, still zu werden und sich pflegen zu lassen. Wenn Sie diese Zeit auch bewusst nutzen können, um über Jesus und seine Liebe zu uns Menschen nachzudenken, dann können Sie für uns alle eine grosse Hilfe sein. Sie können für uns alle Zeugen dafür sein, was Paulus geschrieben hat: "Für den Leib Christi, die Kirche, erfülle ich in meinem irdischen Leben das Mass seiner Leiden." (Kol 1,24) Nachfolge Christi bis in sein Leiden und in sein Kreuz.

Vielleicht haben Sie allein nicht die Kraft dazu. Aber es stehen Ihnen Menschen zur Seite, die Sie pflegen und die Sie begleiten: in den Spitälern, in den Alters- und Pflegeheimen, oder in Ihrer eigenen Wohnung. Allen diesen Menschen danken wir mit Ihnen am heutigen Krankensonntag. Die Dienststelle für das Gesundheitswesen hat dieses Jahr dafür ein besonderer Zeichen gesetzt: sie dankt allen Personen in Spitälern, Heimen oder daheim für ihre segensreiche Arbeit. Zum Zeichen dieses Dankes lässt sie in allen Pflegestationen und Pfarreien einen Blumenstrauss aufstellen.

Liebe alte, kranke, behinderte und einsame Brüder und Schwestern, ich lade Sie dieses Jahr ein, Ihnen selber und uns allen zu helfen, dass auch an Ihrer Krankheit oder Behinderung das Wirken Gottes, seine unendliche Liebe zu uns Menschen sichtbar werden kann. Ich danke Ihnen dafür. Und ich wünsche Ihnen, dass Christus in seiner Liebe auch Ihnen nahe ist, und dass diese Nähe seiner Liebe zu Ihrer körperlichen oder seelischen Gesundung beiträgt.

Am 4. März 2007

+ Norbert Brunner
Bischof von Sitten